Feier in Heidelberg Burschenschafter sollen Mann antisemitisch beleidigt und mit Gürteln geschlagen haben

Bei dem Fest einer Heidelberger Verbindung wurde ein Besucher mit jüdischen Vorfahren offenbar misshandelt und beschimpft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen acht Personen.
Schild der Burschenschaft "Normannia" in Heidelberg  (Symbolbild)

Schild der Burschenschaft "Normannia" in Heidelberg  (Symbolbild)

Foto: imago images

In einer Heidelberger Studentenverbindung ist es offenbar zu einem antisemitischen Übergriff gekommen. Die Ermittler werfen sieben Männern und einer Frau vor, einen 25-Jährigen misshandelt und beleidigt zu haben. Der Mann sei leicht verletzt worden.

Zu dem Vorfall kam es laut einer Pressemeldung am 29. August. Der 25-Jährige besuchte demnach am Samstagmorgen eine Feier der "Normannia". Nachdem er gesagt hatte, dass er jüdische Vorfahren habe, sollen mehrere Burschenschafter ihn mit Gürteln auf die Beine und gegen den Rücken geschlagen haben. Sie sollen ihn auch mit Münzen beworfen und antisemitisch beschimpft haben.

Der Mann erstattete laut Ermittlern noch am selben Tag Anzeige. Vier Tage später durchsuchten Beamte das Haus der Verbindung, wie es in der Meldung heißt. Man habe "umfassendes Beweismaterial" mitgenommen.

"Gängiges Ritual"?

Über die Verdächtigen und das Geschehen machte der zuständige Staatsanwalt auf Anfrage des SPIEGEL keine weiteren Angaben.

Es zeichne sich allerdings ab, heißt es in der Meldung, dass die "Gürtelung" ein "gängiges Ritual der tatverdächtigen Personen" sei. Dies werde von den Beteiligten "in der Regel akzeptiert". Ob auch andere Personen an dem Abend mit Gürteln geschlagen wurden, sagte der Sprecher auf Anfrage nicht.

Auflösung bekannt gegeben

Die Burschenschaft "Normannia" existiert nach eigenen Angaben seit dem Jahr 1890. Wenige Tage nach dem Vorfall gab die Verbindung die Auflösung ihrer Aktivitas bekannt. Das sind jene Mitglieder, die noch studieren. Anfragen des SPIEGEL ließ "Normannia" unbeantwortet.

Zu ihren Mitgliedern gehören laut "Rhein-Neckar-Zeitung " unter anderem der AfD-Politiker Christian Wirth und der Autor der "Jungen Freiheit" Michael Kurt Paulwitz, der für die rechtsextremen Republikaner kandidierte.

jpz
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.