Kanzleramtschef Helge Braun muss seine Doktorarbeit überarbeiten

Kanzleramtschef Braun hat in seiner Doktorarbeit im Fach Medizin nicht getäuscht. Das hat die Uni Gießen nach Abschluss des Prüfverfahrens festgestellt. Dennoch seien Korrekturen an der Dissertation erforderlich.
Helge Braun im September 2020 in Berlin

Helge Braun im September 2020 in Berlin

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) verliert nicht seinen Doktortitel. Zu diesem Schluss kommt eine Kommission der Justus-Liebig-Universität (JLU) in Gießen, die die Dissertation überprüft hat. In der Arbeit ist nach Angaben der Uni keine Täuschungsabsicht festgestellt worden. Dennoch seien Korrekturen an einigen Stellen erforderlich, teilte die Hochschule am Mittwoch nach Abschluss des Prüfverfahrens mit.

Braun hatte seine Dissertation im Fach Medizin mit dem Titel »Einfluss intraoperativer Tachykardien auf die postoperative Prognose – Analyse mit einem Anästhesie-Informations-Management-System« im Jahr 2007 eingereicht. Hierbei geht es um den Einfluss von Herzrasen während einer Operation.

(Behalten Sie den Überblick: Jeden Werktag gegen 18 Uhr beantworten SPIEGEL-Autoren die wichtigsten Fragen des Tages. »Die Lage am Abend« – hintergründig, kompakt, kostenlos. Hier bestellen Sie Ihr News-Briefing als Mail.)

Die Universität war in den vergangenen Wochen Vorwürfen nachgegangen, wonach »substanzielle Ergebnisse der Dissertation« bereits zuvor in einer anderen Publikation veröffentlicht worden seien. Die Kommission kam nach Anhörung von Zeugen und Braun selbst zu dem Schluss, dass das Vorgehen seinerzeit geübte Praxis in der damaligen Arbeitsgruppe gewesen sei. Allen beteiligten Autoren sei bekannt gewesen, dass die überwiegend von Braun erstellte Publikation im Nachgang in seine Dissertation münden sollte.

Darüber hinaus habe es den damaligen Gepflogenheiten entsprochen, eine einschlägige Vorpublikation positiv bei der späteren Notenfindung für die Dissertation zu berücksichtigen. Die Erkenntnisse aus der Vorpublikation habe Braun selbstständig weiterentwickelt und verfestigt.

Da aber detaillierte Einzelnachweise zu der früheren Publikation an einigen Stellen fehlten, liege ein wissenschaftliches Fehlverhalten vor, erklärte die Kommission. Braun müsse daher die Dissertation an den betroffenen Stellen korrigieren. Dafür habe er sechs Monate Zeit.

kha/dpa/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.