Berlin Professorin wollte Uni-Ranking beeinflussen

Wer schlechte Noten gebe, schade sich selbst - so wollte eine Berliner Professorin ihre Studierenden für eine Umfrage beeinflussen. Die meldeten den Vorfall - und der Studiengang flog aus dem Ranking.
Die Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht, Campus Schöneberg: Hier wurden Studierende von einer Professorin aufgefordert, ihren Studiengang besonders gut zu bewerten

Die Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht, Campus Schöneberg: Hier wurden Studierende von einer Professorin aufgefordert, ihren Studiengang besonders gut zu bewerten

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Schöning/ imago images

Eine Professorin der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin hat ihre Studierenden aufgefordert, der HWR bei einer Umfrage extra gute Noten zu geben. Die Studenten sollten ihren Studiengang "International Business Management" besonders gut im CHE-Ranking bewerten. Zuerst hatte der "Tagesspiegel"  darüber berichtet, die Hochschule bestätigte den Vorfall.

"Alle Punkte sollten hier positiv bewertet werden, um einen guten Platz im Ranking zu erreichen", schrieb die Professorin demnach in einem englischsprachigen Kommentar, der in einem internen Nachrichtenforum des Bachelorstudiengangs veröffentlicht wurde.

Der Evaluationsbogen eines Ranking-Anbieters sei nicht der richtige Ort für ein "bashing" des Studiengangs, so die Professorin. Bei Kritik solle man direkt zu ihr kommen. Wer im CHE-Fragebogen kein positives Feedback gebe, schade sich selbst, weil sich auch potenzielle Arbeitgeber an dem Ranking orientieren würden. Aktuell sind 285 Studierende in dem Fach eingeschrieben.

"Komplett inakzeptabel"

"Wir informieren unsere Studierenden regelmäßig über das Hochschulranking und bitten sie, sich daran zu beteiligen. Eine solche Einflussnahme haben wir allerdings noch nie erlebt", sagte eine Sprecherin der Hochschule auf SPIEGEL-Anfrage. Beim Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) werden jährlich rund 40 Fächer an Unis und FHs von Studierenden und Lehrenden bewertet und nach weiteren Kriterien wie der Forschungsleistung und der Promotionsquote gewichtet.

Von der Aufforderung der Professorin distanzierte sich die HWR nun: Demnach sei die Dozentin "völlig über das Ziel hinausgeschossen", ihr Verhalten "komplett inakzeptabel". Nachdem man von dem Text der Professorin erfahren habe, sei er sofort von der Seite genommen worden, so die Hochschule. Im Gespräch mit dem Dekan des betroffenen Fachbereichs und dem Hochschulpräsident habe die Professorin ihr Fehlverhalten eingesehen.

Damit Studierende solche Aufforderungen künftig nicht mehr erhalten, will man nun nachbessern: Allen Hochschullehrern werde noch einmal genau mitgeteilt, wie man die Studierenden angemessen auf das Ranking hinweist. "Zwar sollen die Professoren auch weiterhin ihre Studierenden ermutigen, ihren Studiengang zu bewerten. Schließlich ist uns wichtig, von möglichst vielen zu erfahren, was gut und was schlecht an unserer Hochschule läuft", so die HWR-Sprecherin. "Allerdings ist keinem geholfen, wenn Studierende in dieser Art und Weise beeinflusst werden." Ob das Verhalten für die Professorin ein Nachspiel hat, wollte die Hochschule nicht mitteilen.

Studierende "immer mal wieder" beeinflusst

Die Einflussnahme der Professorin flog auf, nachdem sich empörte Studierende anonym an den "Tagesspiegel" gewendet hatten. "Immer mal wieder versuchen Universitäten, ihre Studierenden zu beeinflussen, um besser abzuschneiden - zum Beispiel durch E-Mails vom Dekan oder Aushänge am Schwarzen Brett", sagt Sonja Berghoff, beim CHE verantwortlich für die Studierendenbefragung. In den Fragebögen können Studierende deshalb mitteilen, ob sie von der Hochschule animiert wurden, positiv zu antworten.

Beeinflussung und Manipulation ist dem CHE zufolge klar unzulässig: "Die Studierenden sollen die Studienbedingungen an ihrer Hochschule in ehrlicher Weise beurteilen, um künftigen Studierenden ein verlässliches Bild der Hochschule zu liefern", heißt es im Methoden-Wiki des CHE-Rankings . Sollte man Hinweise auf einen Beeinflussungsversuch erhalten, würden die Bewertungen für diesen Fachbereich nicht veröffentlicht.

Das passiert nun auch im Fall der Berliner Hochschule. Sonja Berghoff und das CHE hatten von dem Vorfall erfahren, weil Studierende sie unter anderem angerufen und Briefe geschrieben hatten. Sie werde die Daten für den betroffenen Studiengang, wie im Regularium vorgesehen, nun aus dem Ranking herausnehmen, kündigte Berghoff an.

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