Geringe Diversität Mehr als drei Viertel der deutschen Hochschulleitungen sind männlich

Wer eine Hochschule in Deutschland leitet, ist meistens männlich, weiß, im Schnitt 57 Jahre alt und stammt aus Westdeutschland, zeigt eine aktuelle Analyse. Diversität? Fehlanzeige.
Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (Archiv)

Jahresversammlung der Hochschulrektorenkonferenz (Archiv)

Foto: Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa

Nicht einmal ein Viertel aller deutschen Hochschulen wird von einer Frau geleitet. Das hat eine Analyse des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE)  ergeben. Demnach sind nur 22,9 Prozent aller Hochschulleitungen in Deutschland weiblich, unabhängig von Hochschultyp und Trägerschaft. Blickt man auf die privaten Hochschulen, ist die Zahl der weiblichen Führungskräfte noch geringer. Nur etwa ein Fünftel (20,8 Prozent) der Führungskräfte ist hier weiblich.

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Bei der Herkunft der Hochschulleitungen ergibt sich zudem ein ganz klares Bild:

  • Fast alle Leiterinnen und Leiter staatlicher Hochschulen wurden in Deutschland geboren.

  • Von den 72 Leitungspersonen an staatlichen Universitäten, die in der Analyse betrachtet wurden, wurde nur eine in einem ostdeutschen Bundesland geboren.

Das Durchschnittsalter der Hochschulleitungen liegt bei aktuell 57,5 Jahren. Hierbei sind Führungskräfte an privaten Hochschulen mit 55,7 Jahren im Schnitt jünger als ihre Kollegen und Kolleginnen an staatlichen Universitäten (59,7 Jahre) und Fachhochschulen (57,0 Jahre).

Der größte Anteil deutscher Hochschulleitungen hat Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften studiert. An privaten Hochschulen hatte zum Erhebungszeitpunkt im September 2020 mehr als jede zweite Führungskraft ein Fach aus diesem Bereich studiert, an staatlichen Hochschulen jede dritte Hochschulleitung.

»Chance zur Diversität verpasst«

»Deutsche Hochschulleitungen sind – anders als ihre Studierenden – weiterhin eine ziemlich homogene Gruppe«, sagt Ulrich Müller, Leiter politischer Analysen beim CHE. Müller fordert mehr Diversität in den leitenden Hochschulpositionen. »Die Führungskräfte von morgen brauchen schon jetzt Vorbilder, die ihnen signalisieren, dass sie auch mit nicht-klassischen Biografien im Wissenschaftssystem Karriere machen können.«

Für die Analyse des CHE wurden rund 300 Lebensläufe amtierender Leiterinnen und Leiter deutscher Hochschulen ausgewertet. Dabei zeigte sich auch, dass seit dem Jahr 2016 rund jeder zweite Posten neu vergeben wurde. Nur eine Person im ganzen Analysepool ist vor der Jahrtausendwende ins Amt gekommen. Das Fazit von Forschungsleiter Müller: »Gerade bei der großen Anzahl an Neubesetzungen von Hochschulleitungen in den vergangenen fünf Jahren wurde eine Chance zur Diversität verpasst, etwa die Frauenquote zu erhöhen.«

mom
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