Weiße Bewerber nicht erwünscht Studierendenvertretung ändert Stellenanzeige nach Kritik
Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu Berlin
Foto: Schoening / imago imagesFür eine Stellenanzeige in der Antidiskriminierungsberatung muss die Studierendenvertretung der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) Kritik einstecken. Der Vorwurf: Die Ausschreibung selbst sei diskriminierend.
Denn der Referent_innenrat, so der Name der Studierendenvertretung an der HU, bat »weiße Menschen« von einer Bewerbung abzusehen. Als Begründung steht in der Stellenanzeige, dass die Beratungen aus parteilicher Perspektive stattfinden sollen. »Parteilich bedeutet hier eine Beratung, die sich an den Bedürfnissen der ratsuchenden Person orientiert, um einen Raum zu schaffen, in dem sich Betroffene von rassistischer Diskriminierung wohlfühlen und ihre Erfahrungen teilen können«, wird weiter erklärt. Es habe sich gezeigt, dass dies am besten gelingt, »wenn der_die Berater_in Schwarz oder als Person of Color positioniert ist«.
Von dem Fall hatten am Donnerstag mehrere Medien berichtet, unter anderem der RBB . Dabei stand die ursprüngliche Stellenanzeige schon seit dem 31. Juli auf der Website.
In den sozialen Netzwerken wurde das Dokument geteilt, so etwa von einer Reporterin der »Welt«:
Interessanter Spagat im Kopf beim „ReferentInnen Rat (RefRat)“ der Humboldt-Universität zu Berlin: Die Antidiskriminierungsstelle besetzt man dort offenbar am liebsten, indem man selbst diskriminiert. Das muss dieser „Antirassismus“ sein. https://t.co/FHh0VKaO2v pic.twitter.com/DxohJVgQdE
— Anna Schneider (@a_nnaschneider) August 26, 2021
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Auch aus der Politik gab es kritische Stimmen. So erklärte Adrian Grasse, zuständig für Hochschulen bei der Berliner CDU-Fraktion, die Ausschreibung sei gesetzeswidrig und in krasser Weise diskriminierend: »Rassismus darf nicht mit Rassismus bekämpft werden.«
Die Hochschulleitung teilte mit, dass es nicht im Sinne der Humboldt-Universität sei, Menschen zu diskriminieren.
Die Studierendenvertretung hat auf die Vorwürfe reagiert und die Formulierung geändert. Seit Donnerstagabend ist die aktuelle Fassung der Stellenanzeige online.
Die problematische Formulierung ist verschwunden. Stattdessen heißt es nun: »In der Beratungsarbeit hat sich gezeigt, dass dies Menschen am besten gelingt, die aus Perspektive der eigenen Betroffenheit von rassistischer Diskriminierung beraten können. Daher möchten wir insbesondere Personen, die rassistische Diskriminierungserfahrungen machen, dazu ermutigen, sich auf die Stelle zu bewerben.«