#ichbinhanna-Protest an der Universität Hamburg Studierende und Beschäftigte besetzen Hörsaal

Gerade sind die Universitäten in das erste Präsenzsemester nach der Coronapandemie gestartet, schon formiert sich Protest. In Hamburg wird unter anderem für bessere Arbeitsbedingungen gestreikt.
Transparent am Hörsaalgebäude auf dem Hamburger Campus

Transparent am Hörsaalgebäude auf dem Hamburger Campus

Foto: TV Stud HH

Das Wintersemester 2021/2022 ist nicht einmal eine Woche alt, doch die ersten Studierenden stehen schon vor verschlossenen Türen. An der Universität Hamburg hat ein Zusammenschluss aus Studierendenvertreterinnen und -vertretern und Beschäftigten einen Hörsaal im Fachbereich Sozialökonomie besetzt. Nach Angaben der Organisatoren kamen rund 80 Menschen zur Kundgebung am ersten Streiktag – gleichzeitig auch dem ersten Tag mit Präsenzvorlesungen nach drei Semestern Onlinelehre.

»Wir sind nicht bereit, nach eineinhalb Jahren Pandemie einfach zur Tagesordnung überzugehen«, sagt Marvin Hopp, Sprecher der Streikenden, dem SPIEGEL. Dafür seien zu viele Themen liegen geblieben. Neben den Protesten gegen die prekären Arbeitsbedingungen im wissenschaftlichen Mittelbau, bekannt geworden unter dem Schlagwort #ichbinhanna, richtet sich der Streik gegen die miserable finanzielle Lage der Studierenden während und nach der Pandemie. »Viele junge Menschen haben durch Corona ihre Nebenjobs verloren«, sagt Hopp. In einer teuren Stadt wie Hamburg sei ein Großteil der Studierenden auf Einkünfte aus Nebenjobs angewiesen. »Wir fordern deshalb mehr Bafög für alle.«

Darüber hinaus fordert das Bündnis einen Tarifvertrag für Studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an Hochschulen. »Studentische und wissenschaftliche Hilfskräfte halten den Universitätsbetrieb am Laufen«, sagt Hopp. Am vergangenen Freitag hat die Tarifrunde der Länder begonnen.

Obwohl sich viele Studierende auf den Start des Präsenzsemesters freuten, hätten sie viel Verständnis für die Streikenden gezeigt, sagt Hopp. »Corona hat uns keinen Raum gelassen, wirksam Protest zu organisieren – deshalb müssen wir das jetzt tun.«

»Die Forderungen entziehen sich dem Einfluss der Hochschulleitung«, schreibt diese in einer Stellungnahme. »Sie richten sich ausschließlich an den Staat. Deswegen hat das Präsidium der Universität Hamburg die Wissenschaftssenatorin gebeten, mit der Gruppe der Studierenden zu sprechen. In ihrer Vertretung hat die Staatsrätin dankenswerterweise gestern Abend ein Gespräch geführt.«

Der Streik, so die Hochschulleitung weiter, sei inzwischen in einen anderen Rau verlegt worden, damit der Hörsaal wieder für Präsenzvorlesung genutzt werden könne.

olb
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