Studie zu Sorgen der jungen Generation Jeder Fünfte zwischen 14 und 29 Jahren hat Schulden

Die Inflation belastet die Jugend in Deutschland – zusätzlich zu Krieg, Coronafolgen und Klima. Psychische und finanzielle Probleme nehmen zu. Die Generation ist besorgt, glaubt aber trotzdem an sich selbst.
Jugendliche an einer Balkonbrüstung: Der Blick in die Zukunft ist getrübt

Jugendliche an einer Balkonbrüstung: Der Blick in die Zukunft ist getrübt

Foto: Antonio Guillen Fernández / PantherMedia / IMAGO

Die Mehrheit der 14- bis 29-Jährigen macht sich einer Umfrage zufolge Sorgen wegen Inflation, Krieg und Klima – und jeder fünfte junge Mensch in Deutschland hat Schulden. Das sind Ergebnisse einer am Montag veröffentlichten Studie  der Jugendforscher Simon Schnetzer und Klaus Hurrelmann.

Da die Belastungen psychische und finanzielle Komponenten habe, »kann es zu krisenhaften Entwicklungen kommen«, sagt Hurrelmann. Viele junge Leute seien sich sicher, dass sie den Lebensstandard der Eltern nicht aufrechterhalten können, die Wohlstandsjahre seien vorbei.

Für die halbjährlich durchgeführte Trendstudie »Jugend in Deutschland« wurden im Oktober 1027 Jugendliche und junge Erwachsene online befragt.

Studie »Jugend in Deutschland«

Die Trendstudie »Jugend in Deutschland« wird seit 2020 halbjährlich vom Jugendforscher Simon Schnetzer erstellt in Zusammenarbeit mit Klaus Hurrelmann, Jugend-, Bildungs- und Gesundheitsforscher an der Hertie School Berlin.

Der Dauerkrisenmodus bleibe den Jugendlichen erhalten, sagt Schnetzer. Die drei größten Sorgen hätten sich nicht geändert, jedoch ihre Gewichtung. Momentan steht der Umfrage zufolge die Inflation ganz vorn, gefolgt vom Krieg in Europa und dem Klimawandel. Die Sorge um das Klima sei dabei nicht weniger wichtig geworden, sie werde nur von anderen Befürchtungen überlagert, so Schnetzer. Ein so hohes Maß an Sorgen habe er selten gesehen, ordnet Hurrelmann das Ergebnis ein

25 Prozent der befragten 14- bis 29-Jährigen geben an, mit ihrer psychischen Gesundheit unzufrieden zu sein. Bei 16 Prozent mache sich Hilflosigkeit breit, zehn Prozent berichteten von Suizidgedanken. Diese Werte seien seit der letzten Trendstudie vom Mai 2022 gestiegen.

»Bei einer erschreckend großen Minderheit haben sich die psychischen Sorgen verfestigt und verdichtet, sodass dringende Unterstützung notwendig ist«, heißt es in der Studie. Bei vielen jungen Menschen seien die Kräfte der psychischen Abwehr verbraucht, und die Risikofaktoren mehren sich. »Die Warnzeichen sind ganz eindeutig«, sagt Hurrelmann.

Gleichzeitig habe sich der Anteil der jungen Menschen, der gelernt habe, ohne psychische Belastungen mit dem »Dauerkrisenmodus« umzugehen, leicht vergrößert, heißt es in der Studie. Es sei eine gewisse Routine im Umgang mit Ausnahmesituationen eingetreten, bei den größten Belastungen Stress, Antriebslosigkeit und Erschöpfung habe es im Vergleich zur Frühjahreserhebung einen leichten Rückgang gegeben.

Mehr als die Hälfte spart

Die steigenden Preise und der sinkende Wert des Geldes in Deutschland wirken sich auch auf das Verhalten der Jugend aus. Mehr als die Hälfte spart laut der Befragung wegen der Inflation Energie, zum Beispiel durch weniger Heizen und kaltes Duschen, und kauft mehr preisreduzierte Waren. Ein Viertel hat nach eigenen Angaben den Kauf von Bioprodukten eingeschränkt.

20 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen gaben an, Schulden zu haben. Dies sei eine »erschreckende Erkenntnis«, heißt es in der Studie. Die Autoren beobachten nach eigenen Angaben »vermehrt den Trend sogenannter Klarna-Schulden«. Über die Firma Klarna werden Zahlungen bei Onlinebestellungen abgewickelt, dabei kann auch auf Rechnung gekauft und später bezahlt werden.

Dennoch zeigt sich die junge Generation mit ihrer persönlichen Situation weiterhin relativ zufrieden. Den meisten jungen Menschen fehle es weiterhin nicht am Glauben an sich selbst und an der Gewissheit, trotz widriger Voraussetzungen erfolgreich einen eigenen Weg gehen zu können, schreiben Schnetzer und Hurrelmann.

Neu an der aktuellen Studie ist die Frage nach der sexuellen Orientierung der Teilnehmenden – weil das Thema zwar intensiv diskutiert werde, aber nur sehr wenige fachlich abgesicherte Studien vorlägen, so die Autoren. Demnach bezeichneten sich 79 Prozent der Befragten als heterosexuell, jeweils sieben Prozent als homosexuell oder bisexuell. Weitere drei Prozent als pansexuell und zwei Prozent als asexuell.

In jeder Schulklasse definierten sich 20 Prozent der Jugendlichen in Bezug auf ihre sexuelle Identität also nicht wie die Mehrheitsgesellschaft. Anders zu sein, sei aber weiterhin eine Belastung, sagt Hurrelmann. Das geht aus der Abfrage von Diskriminierungserfahrungen hervor, die 60 Prozent der Teilnehmenden erlebt hätten. Dabei stünden das Aussehen sowie rassistische Diskriminierung an erster Stelle. Aber auch die sexuelle und religiöse Orientierung ist demnach oft Ausgangspunkt für Stigmatisierungen.

sun/dpa
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