Jugendstudie Mehrheit der 14- bis 24-Jährigen macht sich Sorgen um die Zukunft

Sie sind politisch interessiert, haben aber das Gefühl, nichts bewirken zu können: Ein Großteil der jungen Generation blickt laut einer Erhebung pessimistisch in die Zukunft – und das nicht erst seit Putins Angriffskrieg.
Demonstrierende in Berlin: Nur 23 Prozent der Befragten glauben, dass die Politik wirksame Lösungen für die Probleme des Klimawandels findet

Demonstrierende in Berlin: Nur 23 Prozent der Befragten glauben, dass die Politik wirksame Lösungen für die Probleme des Klimawandels findet

Foto: Mike Schmidt / IMAGO

Junge Menschen fühlen sich von der Politik nicht angemessen vertreten. Das geht aus einer repräsentativen Befragung unter 14- bis 24-Jährigen im Auftrag der Vodafone-Stiftung  hervor. 73 Prozent der Befragten sind demnach unzufrieden damit, wie Politikerinnen und Politiker ihre Interessen berücksichtigen. Damit habe sich die ohnehin schon niedrige Zufriedenheit seit der bislang letzten Befragung 2019 weiter verschlechtert.

In der aktuellen Befragung geben zwei Drittel der Jugendlichen an, politisch interessiert zu sein – und nehmen auch ihre Gleichaltrigen so wahr, dass sie politisch etwas verändern wollen. Doch in der Praxis haben sie das Gefühl zu scheitern.

67 Prozent der jungen Menschen sind der Meinung, dass sie wenig bis gar keinen Einfluss auf die Politik nehmen können. Lediglich 29 Prozent der Befragten haben den Eindruck, Politik beeinflussen zu können.

»Es ändert sich nichts, egal wer regiert«

Entsprechend groß ist die Skepsis gegenüber den Institutionen. 75 Prozent der jungen Menschen halten die deutsche Demokratie für zu schwerfällig, um aktuelle Probleme zu lösen. Für die Befragten scheint es zudem keinen Unterschied zu machen, wer regiert. Der Aussage »Es ändert sich nichts, egal wer regiert« stimmten 58 Prozent von ihnen zu. Fast die Hälfte (46 Prozent) gibt an, sie sei unzufrieden damit, wie Politik in Deutschland funktioniere.

Allerdings mangelt es vielen auch am Verständnis. Der Hälfte der 14- bis 24-Jährigen fällt es schwer, zu verstehen, wie Politik in Deutschland funktioniert. Der Bildungshintergrund und das Geschlecht haben darauf einen Einfluss: Während 30 Prozent der jungen Menschen mit hohem formalen Bildungshintergrund dieses Problem haben, sind es bei jungen Menschen mit niedrigem formalem Bildungsniveau doppelt so viele (62 Prozent). Und junge Frauen trauen sich deutlich weniger zu, die Politik in Deutschland zu verstehen (58 Prozent) als junge Männer (42 Prozent).

Zukünftigen Generation werde es schlechter gehen

Noch negativer als die Demokratie in Deutschland beurteilen junge Menschen ihre eigenen Zukunftsperspektiven. Weitgehend unabhängig von Alter, Bildungshintergrund und politischem Interesse stimmt mit 86 Prozent die große Mehrheit der Befragten der Aussage zu, »Ich mache mir Sorgen um die Zukunft«. Mehr als die Hälfte (58 Prozent) ist der Umfrage zufolge der Meinung, dass es zukünftigen Generationen »etwas schlechter« oder »viel schlechter« gehen werde.

Auch was die Lösung aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen in Deutschland angeht, scheinen junge Menschen eher pessimistisch. Nur 39 Prozent der Befragten erwarten, dass Menschen 2050 nicht mehr aufgrund von Nationalität, Hautfarbe, Religion oder Gender benachteiligt werden. Noch weniger (30 Prozent) denken, dass Deutschland 2050 sozial gerechter sein wird als heute. Lediglich 28 Prozent haben die Hoffnung auf ein erstklassiges deutsches Bildungssystem und nur 23 Prozent auf wirksame Lösungen für die Probleme des Klimawandels. Dass die Menschen in Deutschland bis 2050 friedlicher zusammenleben werden, glauben nur 22 Prozent.

Die Umfrage wurde bereits vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine durchgeführt.

Informationen zu Studie

Die Vodafone Stiftung hat die Studie beauftragt, durchgeführt wurde sie von infratest dimap. Befragt wurden 2124 deutschsprachige Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 24 Jahren in Privathaushalten in Deutschland online vom 7. September bis 27. September 2021. Für diese Gruppe ist die Studie repräsentativ.

Auf die Frage, was passieren müsste, damit junge Menschen in der Politik besser berücksichtigt werden, konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter einer Reihe von Vorschlägen wählen. Die meisten (54 Prozent) wünschen sich mehr junge Politikerinnen und Politiker. Und 37 fordern mehr Präsenz von Politikern in sozialen Medien – insbesondere auf Instagram.

Ebenfalls wichtig ist den jungen Menschen die Schaffung eines Jugendrats, der ihre Position gegenüber der Bundesregierung vertritt (41 Prozent). Der Ausbau digitaler Beteiligungsmöglichkeiten (40 Prozent) und mehr Möglichkeiten, sich jenseits von Wahlen in politische Entscheidungen einzubringen, etwa durch Bürgerentscheide (39 Prozent), sind den Befragten ebenso wichtig. Die von der Bundesregierung geplante Senkung des Wahlalters auf 16 Jahre wünschen sich 32 Prozent.

sun
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