Kinder in Coronazeiten Deutscher Kinderschutzbund fordert mehr Unterstützung

Ein Corona-Ferienprogramm, Sommerschulen, ein Ausbildungspakt: Der Präsident des Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, fordert Hilfe für Kinder und Jugendliche, die am schwersten unter der Krise leiden.
Schüler in Berlin: »All diese Kinder werden im Moment nicht gesehen«

Schüler in Berlin: »All diese Kinder werden im Moment nicht gesehen«

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Annette Riedl / dpa

Kinder und Jugendliche können ihre Freundinnen und Freunde kaum sehen, keine großen Geburtstagsfeiern veranstalten, müssen Abstand zu den Großeltern halten, sind einsam. Monatelang fiel für sie der Präsenzunterricht aus, sie fühlten sich von der Politik nicht wirklich wahrgenommen. Ein Jahr nach dem ersten Lockdown zieht der Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds (DKSB), Heinz Hilgers, nun ein Fazit: »Insbesondere die Gruppe der Kinder, die in armen oder belasteten Familien leben, drohen, im Dunkeln zu verschwinden.«

Hilgers zählt eine Reihe von Missständen auf, unter denen auch andere Kindergruppen leiden. Demnach

  • fallen Kinder aus Flüchtlingsfamilien im Spracherwerb zurück,

  • können Kinder mit Lernbehinderungen dem Distanzunterricht nur schwer folgen,

  • haben Kinder in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe seit einem Jahr nur sehr eingeschränkten Kontakt zu ihren leiblichen Eltern.

»All diese Kinder werden im Moment nicht gesehen«, sagte Hilgers. »Angesichts der Zahlen zu Inobhutnahmen im Jahr 2020 befürchte ich ein großes Dunkelfeld von Gewalt, die Kindern im Lockdown-Jahr angetan wurde.«

Aus diesem Grund fordert der DKSB, vor allem benachteiligte Kinder zu unterstützen. »Ich bin nicht bereit, eine ›Generation Corona‹ in Kauf zu nehmen«, sagte Hilgers und schlägt eine Reihe von Maßnahmen vor:

  • Sommerschulen und Samstagsunterricht für alle Kinder, die Lernstoff nachzuholen haben.

  • Einen Ausbildungspakt der Bundesregierung und der Arbeitgeberverbände, um jedem Jugendlichen nach diesem besonderen Jahr einen Ausbildungsplatz zu garantieren.

  • Ein Corona-Ferienprogramm der Bundesregierung, um nachzuholen, was im letzten Jahr versäumt wurde: Schwimmkurse, Trainingslager, Sprachlernkurse, Musikunterricht.

  • Ein Bekenntnis von Bund, Ländern und Kommunen zu den Strukturen der Kinder- und Jugendhilfe. Nach der Coronakrise müssen Freizeit- und Unterstützungsangebote ausgebaut werden.

kha
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