Kinder, Karriere, Corona In 3,2 Millionen Familien gehen beide Eltern arbeiten

In zwei Dritteln der Paarfamilien mit jüngerem Nachwuchs haben beide Eltern einen bezahlten Job. Die Shutdown-Bestimmungen seien für sie eine »Katastrophe«, warnt ein Experte – und erst recht für Alleinerziehende.
Doppelbelastung Homeoffice und Kinderbetreuung: Für Millionen Familien der Normalfall

Doppelbelastung Homeoffice und Kinderbetreuung: Für Millionen Familien der Normalfall

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Karl-Josef Hildenbrand / DPA

Geschlossene Kitas und der ausgesetzte Präsenzunterricht in den Schulen sind für 3,2 Millionen Paarfamilien in Deutschland eine besondere Herausforderung: Sie haben kleine Kinder bis zu zehn Jahren – und beide Eltern gehen einer Erwerbstätigkeit nach. Noch schwieriger ist es für Alleinerziehende: Im Jahr 2019 waren 581.000 von ihnen mit Kindern unter elf Jahren erwerbstätig, 90 Prozent davon Frauen.

Das geht aus Zahlen des Statistischen Bundesamts  hervor, die am Donnerstag veröffentlicht wurden. Demnach lebten 2019 in Deutschland fünf Millionen Paarfamilien mit Kindern im Alter von bis zu zehn Jahren, in denen mindestens ein Elternteil berufstätig war. In gut zwei Dritteln davon (68 Prozent) gingen sogar beide Eltern einem bezahlten Job nach.

Im Schuljahr 2019/2020 wurden in den Klassen eins bis sechs insgesamt 4,5 Millionen Kinder unterrichtet. 3,7 Millionen Kinder im Alter von bis zu zehn Jahren wurden außerdem in Kindertageseinrichtungen betreut. 1,1 Millionen Kinder im Kita- und Grundschulalter lebten zuletzt bei einem alleinerziehenden Elternteil.

Kinderschutzbund befürchtet »Katatstrophe«

Die Verschärfung der Shutdown-Bestimmungen sei für viele Eltern eine »Katastrophe«, sagt der Präsident des Deutschen Kinderschutzbunds, Heinz Hilgers. Er kritisiert, dass Kinder unter 14 Jahren nicht mehr von den strengeren Corona-Kontaktbeschränkungen ausgenommen sein sollen. »Ich kann nur für unsere Kleinen hoffen, dass die Ausnahme bleibt«, sagte Hilgers dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Bund und Länder hatten sich am Dienstag unter anderem auf eine Verschärfung der Kontaktbeschränkungen geeinigt. Während sich nach den bisherigen Bund-Länder-Vereinbarungen maximal fünf Menschen aus zwei Haushalten sowie Kinder unter 14 Jahren treffen durften, soll künftig nur noch ein Haushalt mit einer weiteren Person zusammenkommen. Die Umsetzung dieser Grundsatzvereinbarung in den Ländern könnte allerdings variieren.

Kinder bräuchten für ihre Entwicklung Gleichaltrige, um sich zu messen und zu spielen, betonte Hilgers. Viele Eltern seien bei der Betreuung von Kindern auf die Hilfe von Familie oder Nachbarn angewiesen. Das aber werde durch die geplante Maßnahme teilweise unmöglich gemacht.

him/AFP/dpa
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