»Kinder werden erneut zu Verlierern« Kitaverband kritisiert trotz hoher Corona-Zahlen die Schließungen in Sachsen

In Sachsen sollen wegen der Pandemie ab Montag Schulen und Kitas schließen. Der Kitaverband warnt: »Kinder brauchen dauerhaften Zugang zu Bildung.« Und: Wenn Eltern arbeiten sollen, müsse Betreuung stattfinden.
Kita in Dresden: »Bitte bleibt gesund«

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sonreir es gratis / Getty Images

Wegen der vielen Corona-Fälle in Sachsen plant Ministerpräsident Michael Kretschmer einen harten Lockdown ab Montag – Schulen, Kitas und Horte sollen bis zum 10. Januar schließen. Der Deutsche Kitaverband hat den CDU-Politiker dafür nun stark kritisiert.

»Mit den geplanten Kitaschließungen in Sachsen werden Kinder erneut zu Verlierern der Pandemie, obwohl sie erwiesenermaßen nicht die Infektionstreiber sind«, sagte die Bundesvorsitzende Waltraud Weegmann. Tatsächlich hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey erst kürzlich bestätigt, dass von Kindern bis fünf Jahren kein größeres Infektionsrisiko für andere ausgeht. Die SPD-Politikerin sagte Mitte Oktober: »Kitas sind keine Infektionsherde, Kinder sind keine Infektionstreiber

Die Konsequenzen einer Schließung wären für die Kinder laut Weegmann hart. »Aus dem ersten Lockdown wissen wir, dass die negativen Folgen der Kitaschließungen für Kinder immens waren«, sagte sie. »Kitas dürfen auch bei einem harten Lockdown wie aktuell in Sachsen nicht geschlossen werden.«

»Hohn für die Familien«

Die Leopoldina hatte in ihrer jüngsten ad-hoc Stellungnahme  zur Eindämmung der Pandemie keine detaillierten Empfehlungen zum Umgang mit Kitakindern gemacht. Bezogen auf Schulkinder heißt es dort, dass »für die Kinder, die in der häuslichen Lernumgebung nicht lernen können, alternative Orte für die Distanzphasen angeboten werden« müssten.

»Die Kitas bundesweit zu schließen, zeugt jedoch eher von Aktionismus und nicht von umsichtigem Handeln«, kritisierte Weegmann. »Kinder brauchen ihre Freiräume und dauerhaften Zugang zu Bildung.« Sie würden durch die Schließungen so stark eingeschränkt wie kaum eine andere Bevölkerungsgruppe, da sie anders als Erwachsene keine Möglichkeit hätten, Kontakte digital zu pflegen. »Deshalb brauchen Kinder den direkten Kontakt zu Kindern.«

Hinzu komme noch ein weiterer Punkt: »Wenn Eltern weiterhin arbeiten sollen, muss Kita-Betreuung stattfinden.« Das Ganze jetzt als verlängerte Ferien zu bezeichnen sei »Hohn für die Familien«.

apr
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