Kita-Öffnungen in den Ländern In vier Phasen zurück zur Normalität

Wie schnell und für welche Kinder die Kitas in Deutschland wieder öffnen, sollen die Bundesländer selbst regeln. Einige haben bereits einen detaillierten Fahrplan vorgelegt.
Kita in Hamburg: Hier wurde die Notbetreuung schon ausgeweitet

Kita in Hamburg: Hier wurde die Notbetreuung schon ausgeweitet

Foto: Ev. Stiftung Alsterdorf

Einen bundesweiten, detaillierten Fahrplan wird es in der Frage der Kita-Öffnungen nicht geben. Konsens ist nach der Schalte mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder nur, dass die Notbetreuung in den Kindertagesstätten erweitert werden soll. Einige Bundesländer haben das bereits getan. Ab dem 11. Mai darf dies der Kanzlerin zufolge überall geschehen.

"Wir wissen, dass die Kinder so bald wie möglich ihr normales Leben zurückwollen. Zu Recht", sagte Merkel in der Pressekonferenz nach den Beratungen, betonte aber auch: "Das dauert." Die meisten Bundesländer haben sich noch auf kein Datum festgelegt, wenn es um die Rückkehr zum Normalbetrieb geht. Nur Niedersachsen stellte den 1. August in Aussicht.

Wann genau, zu welchen Bedingungen und in welchem Tempo der Kita-Betrieb nach und nach wieder anlaufen kann, klären die Länder in Eigenregie - auch mit der Begründung, dass das Infektionsgeschehen regional unterschiedlich verlaufe. Genau das hatten die Familienminister in einem 18-seitigen Papier vor rund zwei Wochen vorgeschlagen, sich dabei aber auch auf gemeinsame Eckpfeiler verständigt. Es handelt sich dabei um einen Vier-Phasen-Plan, der unterschiedliche Stufen der Betreuung vorsieht.

Erst wenn ein Impfstoff gegen das Coronavirus vorliege oder die Pandemie weitgehend eingedämmt sei, könne und solle die Betreuung wieder ohne Einschränkungen erfolgen. Bis dahin sollen dem Plan zufolge zum Beispiel Kinder Vorrang haben, die sozial benachteiligt sind, Förderbedarf haben oder kurz vor der Einschulung stehen.

Manche Landesregierung wartete das Ende der Merkel-Schalte gar nicht erst ab, sondern verkündete schon vorab teils detaillierte Pläne, wie ihr regional angepasster Fahrplan zur Kita-Öffnung aussieht. Drei Beispiele:

Schleswig-Holstein: "Flexibilisierte Notbetreuung"

So wie in dem gemeinsamen Papier mit den Kollegen vereinbart, will Familienminister Heiner Garg (FDP) in vier Phasen zum Normalbetrieb zurückkehren. Noch im Mai soll die jetzige Notbetreuung ausgeweitet werden. Der nächste Schritt, der "zeitnah" umgesetzt werden soll, wäre dann die zweite Stufe von Phase zwei: "die flexibilisierte Notbetreuung":

  • Hier könnten zusätzlich Vorschulkinder und Kinder mit heilpädagogischem Förderbedarf und mit Förderbedarf im Bereich Sprache in Kohorten in die Kitas zurückkehren.

  • Die Anzahl der Kinder in den Gruppen soll von derzeit grundsätzlich fünf auf dann grundsätzlich zehn erweitert werden.

  • Die Kinder sollen zu diesem Zeitpunkt noch nicht durchgehend betreut werden, sondern in Gruppen, die tage- oder wochenweise in die Kita kommen. Entscheidend sei die Einhaltung von Hygieneregeln.

"Die Belastungsgrenze insbesondere für Eltern, die derzeit Familie und Beruf miteinander vereinbaren müssen, ist zunehmend erreicht", teilte Garg mit. Die Fallzahlen von Covid-19-Erkrankten würden sinken, damit sei es nun möglich, dass "große Gruppen an Kindern zeitweilig wieder in den Einrichtungen betreut werden".

  • Wenn das Pandemiegeschehen es zulasse, könnten die Kitas dann zeitnah den eingeschränkten Regelbetrieb (3. Phase) aufnehmen.

Das Vier-Phasen-Modell der Familienminister bis zur Normalität

Erste Phase: Eingeschränkte Notbetreuung. In dieser Phase könne lediglich für wenige Kinder eine eingeschränkte Notbetreuung stattfinden, heißt es in dem Papier der Ministerien. Vorrangig richtet sie sich an Kinder von Eltern, die in der "kritischen Infrastruktur tätig sind". Außerdem soll das Kindeswohl sichergestellt werden.

Zweite Phase: Flexible und stufenweise Erweiterung der Notbetreuung. Die Kitas bleiben zwar grundsätzlich geschlossen, aber die Notbetreuung kann ausgeweitet werden. Einzelne Schritte sollen im Abstand von zwei Wochen vollzogen werden, um sie mit Blick auf das Infektionsgeschehen zu bewerten.

Dritte Phase: Eingeschränkter Regelbetrieb. Eltern haben in Deutschland einen Rechtsanspruch auf die Betreuung von Kleinkindern. Dieser dürfe durch das Infektionsschutzgesetz nicht länger eingeschränkt werden, wenn sich die Lage mit Blick auf die Corona-Pandemie entspanne. Alle Kinder dürfen in Phase drei also in die Kita gehen. Es gelten aber weiter strikte Hygiene-Vorschriften.

Dies gilt allerdings mit Einschränkungen: Sollten zum Beispiel nicht genügend Erzieherinnen und Erzieher eingesetzt werden können, etwa weil sie krank sind oder zu Risikogruppen gehören, könne der Kita-Betrieb wieder zurückgefahren werden. Gleiches soll passieren, falls es zu einem erneuten Anstieg von Corona-Infektionen kommt.

Vierte Phase: Vollständiger Regelbetrieb. Liegt ein Impfstoff vor, um eine Erkrankung mit Covid-19 zu verhindern oder ist die Corona-Pandemie weitgehend eingedämmt, könne Phase vier in Kraft treten. In dieser werde der Betrieb in den Kitas kaum mehr eingeschränkt.

Baden-Württemberg: Reduzierter Regelbetrieb

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) nannte bereits einen konkreten Termin für den Start von Phase drei: "Unser Plan sieht vor, dass wir ab dem 18. Mai die Betreuung an den Kitas in Richtung eines reduzierten Regelbetriebs schrittweise auf bis zu 50 Prozent der Kinder ausweiten." So könnten Abstandsgebote mit halben Gruppengrößen gewahrt, Eltern aber weiter entlastet und Kindern ein Stück Normalität zurückgegeben werden.

Eisenmann schlägt ein rollierendes System vor, bei dem Kinder in festen Gruppen abwechselnd an einzelnen Wochentagen in die Kita kommen können. Schon Ende April hatte Baden-Württemberg die Notbetreuung in den Kitas ausgeweitet. Die Einrichtungen können seitdem bis zu fünf Kinder von Eltern oder Alleinerziehenden, die in systemrelevanten Berufen oder nachweislich am Arbeitsplatz arbeiten müssen, betreuen.

In der erweiterten Notbetreuung werden den Angaben zufolge derzeit im Schnitt etwa zehn Prozent aller angemeldeten Kinder versorgt, in Einzelfällen bis zu 25 Prozent. Ende April waren es noch rund drei Prozent.

Niedersachsen: Normalbetrieb ab August

Kultusminister Hendrik Tonne hatte schon am Montag Lockerungen und einen detaillierten Fahrplan  zum Normalbetrieb vorgelegt - mit konkreten Terminen. Seit diesem Mittwoch dürfen Eltern eine private Betreuung mit bis zu fünf Kindern in festen Gruppen organisieren.

Ab dem 18. Mai soll die Notbetreuung in Niedersachsen deutlich ausgeweitet werden, die Kitas sollen ihren Betrieb auf bis zu 40 Prozent hochfahren. Im Schnitt könnten dann bis zu zehn Kinder pro Notgruppe betreut werden. Für Kinder vor der Einschulung sollen Kitas an mindestens ein bis zwei Nachmittagen pro Woche ein vorschulisches Angebot machen.

Ab dem 8. Juni will Tonne den Kita-Betrieb dann weiter auf bis zu 50 Prozent hochfahren. Zusätzlich zu den "halben Gruppen" sollen Kitas am Nachmittag offene Spielgruppen anbieten können für die Kinder, die noch zu Hause betreut werden.

Nach der Sommerpause im neuen Kita-Jahr soll der Regelbetrieb dann wieder losgehen. Alle Eltern hätten damit wieder einen Anspruch auf die Betreuung ihrer Kinder, teilte Tonne mit, räumte aber gleichzeitig ein: "Gleichwohl müssen wir realistisch bleiben und alle Planungen immer unter regelmäßigem Abgleich des aktuellen Infektionsgeschehens vornehmen."

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) forderte, auch die übrigen Länder müssten "konkrete Daten benennen, wann welche Kinder wieder ihre Kita oder ihre Kindertagespflege besuchen können, auch wenn das nur mit Einschränkungen gehen kann. Wir brauchen für alle Kinder und Eltern eine Perspektive."

Es sei klar, dass durch die heute beschlossenen Regelungen nicht alle Plätze sofort wieder verfügbar gemacht werden könnten, sagte Giffey. Wenn nun aber nach und nach Geschäfte und andere Bereiche des öffentlichen Lebens wieder öffneten, dann benötigten berufstätige Eltern auch eine gute Kinderbetreuung - "sonst funktioniert das Gesamtsystem nicht".

Mit Material von afp und dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.