Kita-Studie und Corona-Rat Familienministerin Giffey will flächendeckende Kita-Schließungen "unbedingt vermeiden"

In den meisten Bundesländern haben die Kitas wieder regulär geöffnet. Jetzt startet der Bund ein groß angelegtes Register, um herauszufinden, wie Infektionen verhindert werden können.
Kitakinder in Hamburg: "Regulärer Betrieb unter Pandemiebedingungen"

Kitakinder in Hamburg: "Regulärer Betrieb unter Pandemiebedingungen"

Foto: Ulrich Perrey/ dpa

Kitas halten sich noch nicht streng an die Sommerferien. Und so ist in den meisten Bundesländern schon Realität, was an den Schulen erst nach und nach wieder beginnt: ein sogenannter regulärer Betrieb unter Pandemiebedingungen. Außer Bayern, NRW, Sachsen-Anhalt und Thüringen sind alle Länder laut Bundesfamilienministerium wieder dazu übergegangen, die Kinder relativ normal zu betreuen. In den genannten vier Ländern ist das auch spätestens bis zum 1. September geplant.

Doch wie kann es gelingen, dass die Kitas nicht wieder flächendeckend schließen müssen, sollten gehäuft Corona-Infektionen auftreten? Laut Familienministerin Franziska Giffey sollte eine erneute flächendeckende Schließung von Einrichtungen "unbedingt vermieden" werden. "Wir müssen alles tun, um einen zweiten Lockdown zu verhindern", sagte sie bei der Vorstellung von Maßnahmen für das neue Kitajahr. Der Bund will dafür mit einer groß angelegten Studie die Rolle von Kitas bei der Verbreitung des Coronavirus untersuchen.

Es gebe zwar bereits Einzelstudien dazu, aber wenige Erkenntnisse darüber, wie ein Regelbetrieb an Kitas sich auf das Infektionsgeschehen auswirke. Die Studie führt das Deutsche Jugendinstitut (DJI) gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut (RKI) durch, dadurch würden sowohl soziale als auch medizinische Fragen bedacht und das konkrete Setting in Kitas berücksichtigt.

"Einmalige bundesweite Datenbasis"

Basis für die Untersuchungen soll ein deutschlandweites Kita-Register sein. DJI-Direktor Thomas Rauschenbach sagte, damit werde "eine einmalige bundesweite Datenbasis" aufgebaut. Nur mithilfe der Kitas könne sichtbar gemacht werden, "vor welchen Herausforderungen die Kindertagesbetreuung heute steht und klären, wie wir in Krisen künftig handlungsfähig bleiben".

Kitas sind aufgerufen, sich für das am Dienstag startende Register anzumelden . Bei den wöchentlichen Umfragen für die Studie werden die Kitas unter anderem nach der Zahl der betreuten Kinder, Hygienemaßnahmen und zur Raum- und Personalsituation befragt. Laut Rauschenbach gibt es bereits mehr als 5000 Registrierungen, 10.000 Anmeldungen seien für aussagekräftige Ergebnisse notwendig.

Zusätzlich zu dem Register sollen wiederholt repräsentative Befragungen stattfinden, sowohl von Eltern als auch von Kita-Personal. Zudem werden verschiedene öffentliche Gesundheitsdaten wie etwa das GrippeWeb über Atemwegserkrankungen herangezogen. Und im Falle von Covid-19-Infektionen sollen Eltern, Kinder und Beschäftigte natürlich getestet werden.

Giffey rief die Länder zudem dazu auf, den Beschäftigten in Kitas auch dann freiwillige Tests anzubieten, wenn sie keine Symptome zeigen.

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Leitlinien des Bundes

Im föderalen System, in dem Länder und Kommunen für die Kinderbetreuung zuständig sind, will Giffey nun die Vernetzung fördern. Ende August solle erstmals der "Corona-Kita-Rat" tagen, so die Ministerin. Vertreter von Bund, Ländern, Kommunen, Gewerkschaften, Eltern und Kindertagespflege sollen sich in dem Gremium einmal im Monat über Erfahrungen und Konzepte in den Kitas austauschen.

Der Bund kann den Kitas nur Handlungsempfehlungen geben. Giffey erinnerte dafür an die fünf Leitlinien, an denen sich Kitas orientieren können. Hygiene sei auch dort das A und O, sagte die Ministerin. Eine besondere Rolle komme dabei dem Lüften zu. Erwachsene wie Eltern und Erzieherinnen sollten zudem auf den notwendigen Abstand achten und gegebenenfalls Masken tragen. Für die Kinder sei das Tragen von Masken dagegen nicht praktikabel.

Damit Infektionsketten nachvollziehbar bleiben, sollten möglichst feste Gruppen gebildet und Fachkräftewechsel vermieden werden. Zudem gelte, dass kranke und fiebernden Kinder nicht in die Kita gehörten. Giffey begrüßte allerdings, dass das etwa in Länder wie Berlin nicht für verschnupfte Kinder gelte.

Elternvertreter fordern mehr Geld

Elternvertreter forderten zum Start des neuen Kitajahres zudem mehr Geld vom Bund für die Einrichtungen, um eine Betreuung in der Corona-Zeit zu ermöglichen. Es brauche "kreative Lösungen, vor allem was Personal und Räume angeht - wenn das Geld kostet, muss der Bund das in die Hand nehmen", sagte die Sprecherin der Elternvertretung der Kinder in Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege (Bevki), Ulrike Grosse-Röthig, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Giffey verwies am Montag auf das bereits beschlossene Investitionsprogramm des Bundes in Höhe von einer Milliarde Euro zum Ausbau der Kitaplätze, mit dem auch Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise finanziert werden können. Als Beispiele nannte sie unter anderem den Umbau von Schlafräumen zur besseren Belüftung oder die Anschaffung von Desinfektionsspendern.

sun/dpa/AFP
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