Coronabeschlüsse zu Schulen »Es hinterlässt mich fassungslos«

»Unvermögen«, »Nichtbeschlüsse«, »neue Lippenbekenntnisse«: Die Reaktionen von Lehrkräften und Schülervertretern auf die neuen Coronabeschlüsse sind verheerend.
Grundschullehrerinnen beim selbst durchgeführten Corona-Schnelltest (in Sachsen-Anhalt)

Grundschullehrerinnen beim selbst durchgeführten Corona-Schnelltest (in Sachsen-Anhalt)

Foto: Ronny Hartmann / dpa

Udo Beckmann ist um klare Formulierungen selten verlegen. Der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) ist als lautstarker Streiter für die Interessen der Lehrerinnen und Lehrer bekannt. Am Dienstag aber brauchte Beckmann einige Stunden, um die Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz  (MPK) zu den Schulen zu verdauen.

Dann teilte er aus. Die vagen Absichtserklärungen der MPK, »baldmöglichst« zwei – freiwillige – Tests pro Woche für Lehrkräfte und Schulkinder anzubieten, hält Udo Beckmann für ein Totalversagen der Regierungschefs und ein Zeichen von »Unvermögen der Politik«.

Es sei reine Glückssache, welchem Infektionsrisiko die Unterrichtsbeteiligten in den verschiedenen Bundesländern ausgesetzt seien, sagte der VBE-Chef: »Während zum Beispiel in Sachsen und Bayern die Schultore ab einer Inzidenz von 100 zubleiben, werden sie in Thüringen erst ab einem Richtwert von 200 geschlossen.«

»Tatsächliche Konzepte sucht man vergebens«

In Schmalkalden-Meiningen dagegen liege die Inzidenz bereits über 300, dort aber würden die Klassen wieder geöffnet, schüttelt Beckmann den Kopf: »Wem wollen Sie das erklären?« Er habe sich von der MPK eigentlich den Beschluss konkreter Kriterien und Konzepte erhofft: »Es hinterlässt mich fassungslos, wie die Entwicklung der Neuinfektionszahlen bei Kindern einfach ignoriert wird.«

Beckmanns Forderung: »Testen mindestens zweimal pro Woche, Impfen des Personals, Einhaltung der Hygieneregeln. Wenn es unmöglich ist, das umzusetzen, ist es schlicht nicht möglich, den Schulbetrieb zu gewährleisten!«

Ähnlich harsch fällt die Kritik der Bundesschülerkonferenz an den Beschlüssen aus. »Wir erleben mal wieder neue Lippenbekenntnisse, tatsächliche Konzepte sucht man vergebens«, sagte Generalsekretär Dario Schramm. Das Thema Schule sei bei den Gesprächen der Ministerpräsidenten und der Bundesregierung nur oberflächlich behandelt worden, das Ergebnis seien de facto »Nichtbeschlüsse«. Dies widerspreche dem Versprechen der Politik, Schule und Bildung hätten oberste Priorität.

Die versprochenen Schnelltests seien in vielen Schulen noch immer nicht verfügbar, kritisierte Schramm. Tests seien zwar ein wichtiger Faktor, aber auch über Kontakte auf dem Schulweg müsse diskutiert werden. Dass nach den ersten vorsichtigen Öffnungen im Schulbereich nun wieder über Schließungen diskutiert werde, zeige, dass »unvorbereitet geöffnet wurde«, erklärte Schramm. »Dieses Hin und Her ist eine enorme auch psychische Belastung für alle Schülerinnen und Schüler – eine vermeidbare Belastung«.

him/AFP
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