KMK-Prognose zum Lehrkräftebedarf Mangel an Grundschulen, Überangebot an Gymnasien

Die Personalnot an Deutschlands Schulen wird bis zum Jahr 2025 noch größer, erwartet die Kultusministerkonferenz. Allerdings betrifft das nicht alle Schulformen.
Schule in Baden-Württemberg (Symbolbild): Lehrermangel an Grundschulen bis 2025 – und dann ein Überangebot?

Schule in Baden-Württemberg (Symbolbild): Lehrermangel an Grundschulen bis 2025 – und dann ein Überangebot?

Foto:

Sebastian Gollnow / DPA

Die Stelle ist ausgeschrieben, das Geld für das Gehalt bereitgestellt – nur der geeignete Bewerber fehlt. Schon jetzt ist dieses Szenario an vielen Schulen in Deutschland Realität, und in naher Zukunft wird es sich nicht ändern.

Allein an den Grundschulen werden in den kommenden drei Jahren im Schnitt 1460 Lehrerinnen und Lehrer fehlen, und zwar jedes Jahr. Das geht aus einem neuen Bericht  der Kultusministerkonferenz (KMK) zum Lehrkräftebedarf hervor, der an diesem Montag vorgestellt wurde.

Zumindest kurzfristig liefert die Prognose wenig Aussicht darauf, dass die Personalnot an den Schulen kleiner wird. Der Bedarf übersteigt weiter das Angebot, wie eine Modellrechnung der KMK zeigt. Langfristig hingegen könnte es zumindest an einigen Schulformen sogar zu einem Überangebot kommen.

So gehen die Minister etwa davon aus, dass es ab dem Jahr 2026 mehr Grundschullehrkräfte geben könnte, als benötigt werden. Im Jahr 2035 könnte dieses »Überangebot« rein rechnerisch bei 2930 Lehrerinnen und Lehrern liegen.

Die Länder seien sich der »herausfordernden Lage« bewusst, teilte Karin Prien, KMK-Präsidentin und Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, anlässlich der Ergebnisse mit. Man müsse den »so wichtigen Beruf der Lehrerinnen und Lehrer noch attraktiver« machen, das ist laut Prien die Quintessenz der Ergebnisse. Dies gilt allerdings für einige Schulformen mehr, für andere weniger.

Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen etwa gibt es bisher deutlich zu wenige. Bis 2026 geht man davon aus, dass pro Jahr im Schnitt 890 Lehrkräfte mit der speziellen Ausbildung fehlen. Ab 2027 erwartet die KMK in diesem Bereich jedoch ein »stetes Überangebot«.

»Durchgehende Engpässe« drohen der Modellrechnung zufolge hingegen bei Lehrämtern für alle oder einzelne Schularten des Sekundarbereichs I, also für die Klassen fünf bis zehn an nicht-gymnasialen Schulen. Hier lag die »jährliche Deckungslücke« im Jahr 2021 bei 3800 Lehrkräften. Bis 2035 ist hier weiter mit einem Mangel zu rechnen. Die Lücke schrumpft jedoch. Es fehlen dann »nur« noch 420 ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer.

Überangebot von mehr als tausend Lehrern an Gymnasien

Auch für den Sekundarbereich II (berufliche Fächer) und die beruflichen Schulen, vor allem in den ostdeutschen Ländern, gehen die Kultusministerinnen und -minister weiter von einem Lehrkräftemangel aus. Hier werden jedes Jahr im Schnitt 1650 Pädagogen fehlen, »falls keine geeigneten Steuerungsmaßnahmen die Entwicklung positiv beeinflussen«, so die KMK.

An den Gymnasien hingegen sieht es ganz anders aus. Hier gibt es im Schnitt, auch abhängig von der Region, schon jetzt eher zu wenige als zu viele Lehrkräfte. Der Modellrechnung zufolge ist in den Sekundarstufen I und II deutschlandweit in den nächsten Jahren mit einem Überangebot von durchschnittlich 1110 Lehrkräften zu rechnen, und zwar jährlich.

Erst vor wenigen Wochen hatte der Bildungsforscher Klaus Klemm frühere KMK-Prognosen zum Lehrkräftebedarf infrage gestellt. Er hält demnach zwar die Annahmen der Kultusminister zur Entwicklung der Schülerzahlen und den daraus abgeleiteten Lehrkräftebedarf für belastbar. Seiner Ansicht nach haben sie aber unter anderem die Zahl der künftigen Lehramtsabsolventen zu hoch eingeschätzt.

Während die KMK davon ausgeht, dass 2030 rund 14.000 Lehrerinnen und Lehrer fehlen werden, sieht der Bildungsforscher ein deutlich höheres negatives Saldo: 81.000.

Personal, das etwa im Zuge schulpolitischer Reformen wie einer Verkleinerung von Klassen zusätzlich benötigt werde, sei in diese Aufstellung noch nicht einmal eingeflossen, sagte Klemm. In den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) werde die Personalnot ein »dramatisches Ausmaß« annehmen.

fok