Sorge bei Lehrer-Gewerkschaft Müssen sich Lehrkräfte in Teilzeit die Dienst-Laptops teilen?

Chaos bei den Lehrer-Laptops fürchten Gewerkschafter in Baden-Württemberg: Lehrkräfte in Teilzeit müssten die Geräte gemeinsam nutzen. Stimmt nicht, sagt das Land.
Mathelehrer am Laptop (im baden-württembergischen Ravensburg): »Realitätsfremd und absurd«

Mathelehrer am Laptop (im baden-württembergischen Ravensburg): »Realitätsfremd und absurd«

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Felix Kästle / dpa

Seit ein paar Tagen ist die Bund-Länder-Vereinbarung zur Anschaffung von Dienst-Laptops für Lehrkräfte in Kraft. 500 Millionen Euro stellt der Bund dafür zur Verfügung, ergänzend zum Digitalpakt. Doch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hält das Programm für wenig durchdacht: Es gebe zu wenig Geld für die Geräte – und die geplante Verteilung sei im Schulalltag nicht praktikabel, sagt VBE-Digitalexperte Oliver Hintzen.

Für das Bundesland Baden-Württemberg, wo Hintzen auch stellvertretender VBE-Landesvorsitzender ist, hat er das Ausstattungsprogramm für Dienst-Laptops durchkalkuliert. »Nach unseren Berechnungen werden für jede volle Lehrkraft 650 Euro zur Verfügung gestellt«, sagt Hintzen: »Das ist ein äußerst knappes Budget.«

Denn neben dem Laptop müssten davon auch Software, Wartung und Versicherung bezahlt werden: »Die Geräte sollen die Eier legende Wollmilchsau sein. Wenn man die Lizenzen und die Administration von den Fördersummen abzieht, bleibt aber nicht mehr viel Geld für das eigentliche Gerät übrig.« 65 Millionen Euro sollen in Baden-Württemberg für Lehrer-Laptops ausgegeben werden. Das sei aber nur auf den ersten Blick viel Geld, bei der einzelnen Lehrkraft komme dagegen kaum noch etwas an.

Bei den Geldern vom Bund handle es sich »grundsätzlich um Fördergelder«, betont dagegen das Kultusministerium in Stuttgart auf SPIEGEL-Anfrage: »Diese ersetzen also nicht die Investitionen der Schulträger, die originär für die sachliche Ausstattung der Schulen verantwortlich sind, sondern ergänzen diese.« Die 65 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm würden in Baden-Württemberg nach einem bestimmten Schlüssel auf die Schulträger – also in aller Regel die Städte und Gemeinden – verteilt.

Genau dieser Schlüssel aber, sagt VBE-Mann Hintzen, sei das Problem. Verteilt werde nämlich nach Vollzeit-Äquivalenten – also danach, wie viele 100-Prozent-Stellen für Lehrerinnen und Lehrer es jeweils vor Ort gebe. »Über die Hälfte der Lehrkräfte in Baden-Württemberg sind aber in Teilzeit beschäftigt«, sagt Oliver Hintzen: »Je nach Beschäftigungsumfang müssen sich mehrere dieser Lehrkräfte einen Laptop teilen.« Auch in anderen Bundesländern seien die Teilzeitquoten ähnlich hoch, überdurchschnittlich seien Grundschulen betroffen.

Es sei völlig klar, dass die Berechnung der benötigten Geräte anhand von theoretischen Vollzeitstellen nicht funktionieren könne, sagt der Lehrervertreter: »Chaos ist vorprogrammiert.« Dass Lehrkräfte sich Geräte teilten, sei ebenso »realitätsfremd und absurd wie drei Handwerker auf drei verschiedenen Baustellen, die sich eine Handkreissäge teilen sollen«.

Das Stuttgarter Kultusministerium hält das für Panikmache. Die Warnung vor geteilten Dienst-Laptops sei »sehr verkürzt und so auch nicht korrekt«. Denn die Verteilung der Leihgeräte erfolge nicht nach dem Stundenumfang einer Lehrerin oder eines Lehrers, sondern nach dem tatsächlichen Bedarf. Auch gebe es weitere Fördertöpfe für Leihgeräte sowohl vom Bund als auch vom Land.

Allerdings sei auch eine gemeinsame Nutzung einzelner Endgeräte durch mehrere Lehrkräfte »grundsätzlich möglich«, erklärte ein Sprecher weiter: »Diese Option kann in bestimmten Fällen durchaus sinnvoll sein.«

Denkbar seien etwa Poolgeräte, die von Lehrkräften in der Schule verwendet werden, während sie zu Hause weiter auf einem privaten Gerät arbeiten. Auch sei es möglich, dass sich Lehrkräfte an Lehrerarbeitsplätzen in der Schule Geräte teilen – entschieden werden müsse darüber aber vor Ort in den Schulen.

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