Krieg in der Ukraine Lehrergewerkschaften fordern bessere Integration ukrainischer Kinder

Es fehlt an Konzepten, Personal, psychologischer Betreuung: Lehrervertreter beklagen die schlechte Vorbereitung der Schulen bei der Integration von Kindern, die vor dem Krieg in der Ukraine nach Deutschland geflohen sind.
Grundschulklasse in Dresden: »Die Kultusministerkonferenz ist jetzt aufgefordert, vorausschauend zu planen und die Schulen auf alles, was kommen kann, gut vorzubereiten«

Grundschulklasse in Dresden: »Die Kultusministerkonferenz ist jetzt aufgefordert, vorausschauend zu planen und die Schulen auf alles, was kommen kann, gut vorzubereiten«

Foto: Robert Michael / dpa

Die Lehrergewerkschaften haben die schlechten Bedingungen für die Integration ukrainischer Kinder in deutschen Schulen angemahnt und die Politik zum Handeln aufgefordert. »Mit Blick auf das kommende Schuljahr muss sichergestellt werden, dass die Kinder und Jugendlichen, die aus der Ukraine geflüchtet sind, in den Regelunterricht an den Schulen in Deutschland integriert werden«, sagte die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Nach Zahlen der Kultusministerkonferenz (KMK) von Mitte Mai besuchen mittlerweile fast 115.000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine deutsche Schulen. »Derzeit erreichen die GEW noch viel zu oft Informationen, dass es lange Wartelisten gibt«, sagte Maike Finnern. »Dabei fangen in gut fünf Wochen in den ersten Bundesländern die Ferien an.« Bisher sei auch keine Lösung für das neue Schuljahr in Sicht – dabei könnte dann die Zahl der geflüchteten Kinder und Jugendlichen möglicherweise noch viel höher sein.

Willkommens-, Intensiv- oder Sprachklassen seien eine Übergangslösung, sagte Finnern. »Nach den traumatischen Kriegs- und Fluchterfahrungen ist es wichtig, den Schülerinnen und Schülern wieder Normalität anzubieten und den sozialen Kontakt zu Gleichaltrigen zu ermöglichen.« Das klappe jedoch nur, wenn Regel-, Sprach- und Willkommensklassen nicht dauerhaft völlig überfüllt sind und die Fördermaßnahmen längerfristig laufen. Insbesondere in Ballungsräumen steige die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den Lerngruppen und Klassen teilweise immens.

VBE-Chef rechnet mit weiteren Schülern

Auch der Chef des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, sagte dem RND: »Die Kultusministerkonferenz ist jetzt aufgefordert, vorausschauend zu planen und die Schulen auf alles, was kommen kann, gut vorzubereiten.« Das Schuljahr in der Ukraine sei Ende Mai vorbei, sagte Beckmann. »Es ist zu vermuten, dass dies zu einer neuerlichen sprunghaften Zunahme an geflüchteten Kindern und Jugendlichen führt, da wir wissen, dass einige Eltern die Auswanderung hinausgezögert haben, um den Kindern den Abschluss des Schuljahrs zu ermöglichen«, sagte Beckmann.

Derweil stellt das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unter den Ukraineflüchtlingen ein großes Interesse an Integrationskursen zur Sprach- und Kulturvermittlung fest. Bislang seien »innerhalb weniger Wochen bereits mehr als 80.000 Teilnahmeberechtigungen erteilt worden«, berichtete die »Welt« unter Berufung auf das BAMF. Nach Erhalt dieser Berechtigung müsse noch ein Einstufungstest absolviert werden, um das zum Bildungsniveau passende Kursangebot zu ermitteln; daher vergingen »naturgemäß einige Wochen bis zum tatsächlichen Kursbeginn«. Aktuell nähmen rund 17.000 Ukrainer und Ukrainerinnen an einem Integrationskurs teil.

Aus der Ukraine komme »zwar die ganze Bandbreite der Gesellschaft«, von der Akademikerin bis zum Ungelernten, sagte Benjamin Beckmann, Leiter der BAMF-Integrationskursabteilung. »Sie verfügen aber fast alle über gute Lernvoraussetzungen, vor allem eine gute Schulbildung. Wir benötigen für sie keine Alphabetisierungs- und praktisch keine Zweitschrift-Lernerkurse.« Laut Beckmann können 95 Prozent der Ukrainegeflüchteten ihren Integrationskurs direkt mit dem normalen Sprachkurs beginnen.

him/AFP
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