Lehrermangel Designierte KMK-Präsidentin Prien will Naturwissenschaftler in die Schulen locken

Mit einer Werbeoffensive für Naturwissenschaftler will Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein, den Lehrermangel bekämpfen. Auch andere Bundesländer kommen ohne Quereinsteiger nicht mehr aus.
Bildungsministerin Karin Prien (CDU

Bildungsministerin Karin Prien (CDU

Foto: Christian Charisius / dpa

Karin Prien, Bildungsministerin in Schleswig-Holstein und ab Januar Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), will unter anderem mit einer Werbeoffensive für Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler gegen den Mangel an Lehrkräften kämpfen. »Für mich ist die Frage: Wie sehr kann man bei Studierenden naturwissenschaftlicher Fächer bereits im Bachelorstudium die Idee verankern, man könnte vielleicht auch Lehrkraft werden«, sagte die CDU-Politikerin einem Bericht des »Flensburger Tageblatts«  zufolge.

Alle Bundesländer müssten in den kommenden Jahren mehr Lehrkräfte ausbilden, sagte Prien. Dies gelte vor allem für Grund- und Gemeinschaftsschulen, die Sonderpädagogik und berufliche Schulen. Die Situation erfordere »große Anstrengungen«. Fachlehrkräfte fehlen demnach besonders in den Naturwissenschaften, aber auch in anderen Fächern.

Neben dem Ausbau an Studienplätzen will Prien dafür auch die Möglichkeiten für Quer- und Seiteneinsteiger erweitern. »Wenn Seiteneinsteiger gut ausgebildet werden, und das machen wir in Schleswig-Holstein, dann sind sie tendenziell eine Bereicherung für ein Kollegium«, sagte die Bildungsministerin dem Bericht zufolge. So müssten etwa Ingenieure mit Berufserfahrung und entsprechendem Interesse an einem Wechsel auch den Weg in den Schuldienst finden können – allerdings ohne dabei die Qualitätsansprüche an den Lehrerberuf herunterzufahren.

Zwei Drittel Quereinsteiger in Berlin

Auch andere Bundesländer kämpfen zum Teil schon seit Jahren mit Personalmangel im Lehrerzimmer. So meldete Berlin bereits im Herbst 2019, dass fast zwei Drittel der neu eingestellten Lehrkräfte kein Lehramtsstudium abgeschlossen  hatten. Bei Grundschullehrern waren es ein Jahr zuvor sogar sieben von acht gewesen.

Die neue Berliner Landesregierung will die Attraktivität des Jobs an der Tafel jetzt mit einer Rückkehr zur Verbeamtung der Lehrkräfte steigern. Brandenburg hat sich auf Anwerbungen in Polen spezialisiert, und in Nordrhein-Westfalen sucht die Landesregierung neben regulären Fachkräften derzeit auch jede Menge Schulleiterinnen und Schulleiter: An jeder zehnten öffentlichen Schule in NRW ist der Posten aktuell nicht besetzt, meldete die »Westdeutsche Zeitung«  kurz vor Weihnachten. Damit sind an Rhein und Ruhr 484 Schulleitungen vakant, vor allem in Grundschulen.

Ohne Quereinsteiger geht es nicht, hat auch die Landesregierung in Sachsen-Anhalt ermittelt. Bis Anfang Dezember wurden landesweit 941 Lehrkräfte eingestellt, 335 davon waren Seiteneinsteiger, berichtet n-tv  – mehr als ein Drittel aller Neuen ist demnach nicht grundständig als Lehrkraft ausgebildet.

Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) sagte dem Bericht zufolge auch, dass in Sachsen-Anhalt aktuell in keiner der Schulformen mehr eine hundertprozentige Unterrichtsversorgung erreicht werde. Besonders betroffen seien die Sekundarschulen, wo nur 88,9 Prozent des Unterrichts wie geplant stattfinden.

him
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