Ende der Coronaauflagen Lehrerverbände befürchten Konflikte ums Maskentragen an Schulen

Mund-Nasen-Schutz auf oder ab? Vertreter von Lehrerinnen und Lehrern fürchten, dass diese Frage zu Druck und Streit an vielen Schulen führen könnte – und sprechen sich fürs Maskentragen mindestens bis zu den Osterferien aus.
In einer Gesamtschule in Münster sitzen Schülerinnen mit und ohne Maske im Unterricht (Archivbild)

In einer Gesamtschule in Münster sitzen Schülerinnen mit und ohne Maske im Unterricht (Archivbild)

Foto: Guido Kirchner / dpa

Lehrerverbände befürchten nach dem Wegfall der Maskenpflicht in den Schulen Konflikte. »In der Tat droht jetzt die Gefahr, dass einerseits Kinder, die Maske tragen, von Mitschülern als Weicheier und überängstlich gehänselt werden oder auch umgekehrt Druck auf Nicht-Maskenträger ausgeübt wird«, sagte Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, der Nachrichtenagentur dpa. Er sprach sich für eine Selbstverpflichtung von Lehrkräften und Schülern aus, in jeder Klasse bis einschließlich der Woche nach den Osterferien weiter Masken im Unterricht und auf dem Schulgelände zu tragen.

Das Thema »Maske ja oder nein« könne sonst in jedes Klassenzimmer getragen werden und damit Schulfrieden und Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler gefährden, sagte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern. Die GEW halte das Tragen von Masken »in der aktuellen, sehr angespannten Infektionslage« zumindest bis zu den Ferien für vernünftig und richtig, fügte sie hinzu, »obwohl wir die pädagogischen Bedenken gegen das Tragen von Masken grundsätzlich teilen«.

Auch der Vorsitzende der Bildungsgewerkschaft VBE, Udo Beckmann, sieht die »Gefahr eines neuen Konflikts« in den Schulen. »Nach den Auseinandersetzungen der letzten beiden Jahre, in denen Schulleitungen und Lehrkräfte bei der Umsetzung der Infektionsschutzmaßnahmen teilweise sogar Opfer physischer und psychischer Gewalt wurden, muss sichergestellt werden, dass politische Entscheidungen nicht wieder durch das pädagogische Personal vermittelt werden müssen.« Beckmann sprach sich dafür aus, dass Lehrkräfte und Schüler »verantwortungsbewusst« handeln und weiterhin Masken tragen sollten, wenn sich das Infektionsgeschehen an den Schulen weiterhin auf hohen Niveau bewege.

Nach dem geänderten Infektionsschutzgesetz sind zahlreiche Auflagen in der Nacht zu Sonntag ausgelaufen, die Millionen Menschen seit Monaten gewohnt waren – darunter Zugang nur für Geimpfte, Genesene und Getestete (3G) oder für Geimpfte und Genesene (2G). Auch generelle Maskenpflichten beim Einkaufen oder in Schulen sind nun meist vorbei.

Das weitgehende Ende der Maßnahmen zur Corona-Eindämmung hatte die Ampelkoalition gegen Proteste unter anderem aus den Ländern durchgesetzt. Die Bundesregierung begründet dies damit, dass keine bundesweite Überlastung des Gesundheitswesens bestehe und im Notfall regional weiter schärfere Regeln erlassen werden können.

Weitergehende Vorgaben gelten zunächst nur noch in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die beiden Länder nutzen als vorerst einzige die sogenannte Hotspot-Regel des Infektionsschutzgesetzes. Sie ermöglicht weitergehende Vorgaben, wenn das Landesparlament eine regional drohende kritische Lage für die Kliniken feststellt.

Die anderen Länder machen davon vorerst nicht Gebrauch und bemängelten zu unsichere rechtliche Kriterien im Bundesgesetz. Es gilt vorerst bis 23. September, dann könnte eine Anschlussregelung zum Herbst folgen.

lov/dpa
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