Studie zu Lernplattformen »Bundeseinheitliche Schulcloud ist eine Utopie«

Der Bund hat Millionen in eine Schulcloud investiert, die alle Länder nutzen sollten. Doch nun existieren zahlreiche Systeme nebeneinander. Eine Studie analysiert, dass es wohl bei diesem Flickenteppich bleiben wird.
Schülerin lernt auf Lernplattform Mebis (Archiv)

Schülerin lernt auf Lernplattform Mebis (Archiv)

Foto: Stefan Puchner/ dpa

Monatelang haben die Schülerinnen und Schüler während des Shutdowns von ihren Kinderzimmern aus am Unterricht teilnehmen müssen. Immer wieder gab es dabei in vielen Bundesländern Probleme mit der Technik. »Lernplattform geht in die Knie«, »Chaos um Homeschooling – Server down« , »Schulcloud in der Sackgasse« , »Lernplattform Mebis fällt aus «, titelten die Medien im vergangenen Winter.

Nun haben Wissenschaftler vom Institut für Informationsmanagement an der Universität Bremen (ifib) im Auftrag der Telekom Stiftung erstmals untersucht, welche Lernplattformen in den Bundesländern verwendet werden, welche gut funktionieren und warum es keine einheitliche Plattform für ganz Deutschland gibt.

Eigentlich sollte es einmal eine einheitliche Lösung geben. Mehrere Millionen Euro hat die Bundesregierung für die Entwicklung einer Schulcloud am Hasso-Plattner-Institut zugeschossen. Doch nur die Bundesländer Brandenburg, Niedersachsen und Thüringen haben sich bislang dafür entschieden, die Cloud zu nutzen.

Doch laut der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom ifib ist eine bundesweit einheitliche Schulcloud gar nicht mehr notwendig – und es wird sie wahrscheinlich auch niemals geben. Denn: Viele Lernplattformen sind einfach schon zu fest in den Ländern etabliert. Einige Bundesländer haben bereits frühzeitig damit begonnen, IT-Strukturen aufzubauen, »oftmals mit sehr hohem Aufwand«, heißt es in dem Papier. Einige Kommunen haben zudem eigene Lösungen entwickelt, als es für sie noch keine Angebote vom Land gab.

»Wir sehen Länder, die ihren Schulen früh Angebote gemacht und damit Orientierung geboten haben. Andere haben später angefangen und sind jetzt damit konfrontiert, dass es auf kommunaler Ebene bereits eine Vielzahl an Lösungen gibt«, sagt Studienleiter Andreas Breiter. Thomas de Maizière, der Vorsitzende der Stiftung, sagt: »Die Studie zeigt klar, dass die immer wieder geforderte bundeseinheitliche Schulcloud eine Utopie ist.« Vielmehr gehe es jetzt darum, die Vielfalt der Lernplattformen durch gemeinsame Standards und Schnittstellen miteinander zu verbinden.

Unterschiedliche Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen hinderlich

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlagen vor, gemeinsame Standards zu etablieren, etwa die gleichen digitalen Schulbücher zu verwenden. Das würde unter anderem Schulwechsel erleichtern.

Schulen müssten zudem mit einem professionell aufgestellten IT-Service-Management ausgestattet werden. Lehrkräfte müssten weiter lernen, wie sie mit den Plattformen umgehen können. Hierbei seien die Wissenschafts- und Kultusministerien gefordert, die für die Lehrerbildung verantwortlich seien.

Die Wissenschaftler schlagen zudem vor, Bürokratie abzubauen. Hinderlich seien vor allem die unterschiedlichen Zuständigkeiten. Die Verantwortung für die Ausstattung in den Schulen liege in der Regel bei den Kommunen, die Verantwortung für den Unterricht beim Land. Durch den Digitalpakt Schule redet in IT-Fragen nun auch noch der Bund mit.

kha
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