Lernstandserhebung in Hamburg Große Lücken bei Schülern nach Corona-Shutdown

Die zweite Schließung Anfang dieses Jahres hat Spuren hinterlassen: Eine Untersuchung bei Drittklässlern in Hamburg weist auf wesentliche Lernrückstände hin. Besonders betroffen: Kinder an Brennpunktschulen.
Schülerinnen und Schüler müssen in den kommenden Monaten die Lernrückstände aufholen.

Schülerinnen und Schüler müssen in den kommenden Monaten die Lernrückstände aufholen.

Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Große Rückstände beim Lesen und in Mathematik, dafür Verbesserungen in der Rechtschreibung – so lassen sich die Folgen der zweiten Schulschließung für Hamburgs Drittklässlerinnen und Drittklässler zusammenfassen. Als erstes Bundesland hat Hamburg eine Lernstandserhebung vorgestellt, die die Folgen des Schul-Shutdowns Anfang dieses Jahres zum Gegenstand hat.

Rund 15.000 Schülerinnen und Schüler hatten an der Untersuchung »Kermit 3« teilgenommen. Während die Lücken nach der ersten Schulschließung im Frühjahr 2020 vergleichsweise gering ausfielen, habe der zweite Shutdown »offensichtlich deutlich mehr Probleme verursacht«, wie es aus der Schulbehörde heißt.

So sei die Gruppe der lernschwachen Kinder im Bereich Lesen um rund elf Prozent größer als bei der vorherigen Untersuchung. Dieser Trend falle bei Schulen in schwieriger sozialer Lage noch stärker aus, dort habe sich der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit schwachen Leseleistungen sogar um mehr als 13 Prozent erhöht.

In Mathematik fielen die Ergebnisse nur wenig besser aus. Der Anteil der Lernschwachen stieg im Vergleich um knapp neun Prozent.

»Eine schwierige Aufgabe, diese Lernrückstände aufzuholen«

»Die Ergebnisse bestätigen insgesamt meine Sorgen in Bezug auf die monatelangen Schulschließungen«, sagt Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). »Fernunterricht war und ist kein Ersatz für den Unterricht in der Schule. Es wird eine schwierige Aufgabe sein, diese Lernrückstände aufzuholen.«

Vor allem Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte immer wieder betont, Lernrückstände der Schülerinnen und Schüler mit passgenauen Programmen kompensieren zu wollen – wenn es nähere Erkenntnisse dazu gäbe, wie groß diese Lücken genau seien. Während der Coronapandemie waren die turnusmäßigen Lernstandserhebungen in vielen Bundesländern ausgesetzt worden.

Hamburg überprüft als einziges Bundesland jedes Jahr die Lernstände aller Schülerinnen und Schüler in den Klassenstufen 2, 3, 5, 7, 8 und 9. Die Untersuchungen sollen den Lehrkräften Hinweise auf Erfolge, Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten bieten und ihnen bei der Verbesserung der Unterrichtsqualität helfen.

olb
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