Luftfilter für die Schulen »Nach fast 16 Monaten Pandemie herrscht in den Schulen immer noch Chaos«

Die Zeit drängt: Organisatorisch und räumlich sind die Schulen noch nicht auf das neue Schuljahr vorbereitet, sagt der Städte- und Gemeindebund. Die Schulträger fordern mehr Tempo von der Politik.
Luftfilter an einem Gymnasium im niedersächsischen Oldenburg

Luftfilter an einem Gymnasium im niedersächsischen Oldenburg

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Wer ist schuld an den schleppenden Vorbereitungen der Schulen auf das neue Schuljahr? Für den Städte- und Gemeindebund ist die Antwort klar: Er vermisst Rückenwind aus der Politik. Angesichts der rasanten Ausbreitung der Delta-Variante des Coronavirus sollte jetzt sofort die Umrüstung der Schulen in Angriff genommen werden, sagt Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg.

»Mit Blick auf die Zeit nach den Sommerferien müssen in den Schulen schnellstmöglich die notwendigen organisatorischen und räumlichen Voraussetzungen geschaffen werden, um eine erneute Schließung zu verhindern«, sagte Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Dies ist umso dringlicher, als dass der überwiegende Teil der Kinder nicht unter die Impfempfehlung der Stiko fällt.«

Allerdings würde eine entsprechende Empfehlung der Ständigen Impfkommission das Problem auch nur teilweise lösen, sagte Landsberg. Denn für Schülerinnen und Schüler unter zwölf Jahren und auch für Kitakinder sei noch kein Impfstoff zugelassen worden.

Landsberg betonte, dass die Situation an den einzelnen Schulen sehr unterschiedlich sei, »sodass eine Patentlösung für alle nicht vorhanden ist«. So könne es in Einzelfällen helfen, bestehende Fenster umzurüsten, um Querlüften zu ermöglichen. Auch Lüftungskonzepte könnten optimiert oder größere Klassenräume geschaffen werden.

»Da dies coronabedingte Kosten sind, erwarten die Kommunen als Schulträger auch eine entsprechende finanzielle Unterstützung von Bund und Ländern«, erklärte Landsberg. Er warne allerdings vor bürokratischen und zeitintensiven Förderprogrammen: »Wir müssen uns immer wieder klarmachen, dass wir uns nach wie vor in einem Wettlauf mit dem Virus befinden und dementsprechend keine Zeit zu verlieren haben.«

Auch von Elternseite aus steigt der Druck auf die Politik, schnelle Maßnahmen für das kommende Schuljahr zu ergreifen. »Die Eltern sind am Anschlag«, sagt Franz-Josef Kahlen von der Elterninitiative Mobile Raumluftfilter NRW: »Nach fast 16 Monaten Pandemie herrscht in den Schulen immer noch Chaos.«

Kahlen forderte ein politisches Zeichen an die Kommunen, dass die Anschaffung mobiler Raumluftfilter ab sofort unterstützt wird.

Vereinzelt reagieren die Länder bereits auf die anhaltende Debatte. So hat das bayerische Kabinett am Dienstag beschlossen, den Kommunen 50 Prozent der Anschaffungskosten für Luftreiniger in Klassenzimmern zu erstatten. Bis zum Herbst sollen damit alle Klassenzimmer im Freistaat mit Luftfiltern ausgestattet sein – noch steht aber nicht fest, welche Geräte überhaupt gefördert werden.

In Niedersachsen dagegen hatte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) Anfang Juni festgestellt: »Frische Luft ist gesund, das Lüften verursacht keinerlei gesundheitliche Risiken, auch keine Erkältungen – im Gegenteil, das regelmäßige Lüften wirkt hier sogar vorbeugend.« Tonne schrieb das in einem Brief an Amria Mohamed Ali, Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag.

Die aus Niedersachsen stammende Politikerin hatte Tonne zuvor aufgefordert, alle Klassenräume mit mobilen Luftfiltergeräten auszustatten. »Die Antwort von Minister Tonne ist vollkommen unverständlich und fast dreist«, sagte Amira Mohamed Ali dem SPIEGEL: »Die Luftfilter werden nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum Lüften eingesetzt, um den größtmöglichen Schutz der Schüler zu gewährleisten. Es ist nicht nachvollziehbar, dass Herr Tonne den Nutzen der Geräte in Abrede stellt, während zahlreiche niedersächsische Landesbehörden sie selbst angeschafft haben.«

Der Kultusminister solle sich einfach mal bei seinen Kolleginnen und Kollegen über die Gründe für den Kauf informieren, empfiehlt sie: »Vielleicht kommt er dann auch zu dem Schluss, dass sie nicht nur in Beamtenstuben, sondern auch in Klassenräumen Sinn machen.«

him/AFP
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