Gefahr durch Elterntaxis Grundschule in Magdeburg verbietet Erstklässlern, mit dem Rad zu kommen

Weil Elterntaxis die engen Straßen verstopfen, dürfen Erstklässler an einer Grundschule in Magdeburg nicht mehr mit dem Rad kommen. Viele Experten halten Sechsjährige ohnehin für nicht reif genug.
Kinder müssen sich im Straßenverkehr orientieren und die Spur halten können, auch wenn sie sich umdrehen und den Arm ausstrecken

Kinder müssen sich im Straßenverkehr orientieren und die Spur halten können, auch wenn sie sich umdrehen und den Arm ausstrecken

Foto: Ralf Hirschberger/ dpa

In einer Grundschule in Magdeburg dürfen Erstklässler einem Medienbericht zufolge nicht mehr mit dem Rad zum Unterricht kommen. Als Grund nennt die Schulleitung die Gefahr durch Elterntaxis - also Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto so weit wie möglich vor die Schule fahren.

Eigentlich liege die Grundschule "Am Grenzweg" an ruhigen, aber engen Anliegerstraßen, erklärt Schulleiterin Gabriele Krappatsch den Schritt in der "Magdeburger Volksstimme" . Durch die Autos der Eltern herrsche vor Unterrichtsbeginn jedoch vergleichsweise dichter Verkehr.

Hinweise von Polizei und ADAC hatten zu der Entscheidung geführt, sagte die Schulleiterin. Ab der zweiten Klasse dürfen die Kinder demnach wieder zur Schule radeln, wenn ihre Eltern eine entsprechende Erklärung unterzeichnet haben.

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Auto bedeutet auf keinen Fall Sicherheit

Elterntaxis sind nicht nur in Magdeburg ein Problem. In Hamburg entschied sich die Polizei 2019 dazu, das Verkehrsaufkommen an insgesamt zehn Schulen der Stadt zu kontrollieren. Inzwischen werde jedes dritte Kind mit dem Auto zur Schule gebracht, erklärte Ulf Schröder von der Polizei Hamburg den Schritt. Dies sei eine eher beunruhigende Entwicklung.

Auch gehe die Gleichung "Mit dem Auto zur Schule gleich sicher zur Schule" auf gar keinen Fall auf. Laut Verkehrsunfallstatistik verunglücken immer mehr Kinder, während sie im Auto sitzen. "Gleichzeitig sinken die Unfallzahlen für diejenigen, die sich aktiv im Straßenverkehr bewegen - also etwa zu Fuß zur Schule gehen", so Schröder.

Allerdings ist auch umstritten, ab welchem Alter Kinder mit dem Fahrrad zur Schule fahren sollten. Der Deutschen Verkehrswacht zufolge  können Kinder frühestens mit acht Jahren einigermaßen Radfahren.

Aus diesem Grund finde die schulische Radfahrausbildung nicht vor der dritten oder vierten Klasse statt, schreibt die Deutsche Verkehrswacht. Erst am Ende der Grundschulzeit habe ein Kind die Reife, in schwierigen Situationen den Überblick zu behalten. Jüngere Kinder sollten lieber zu Fuß zur Schule gehen.

Der ADAC teilt diese Ansicht: Das Seh- und Hörvermögen sei bei Kindern unter neun Jahren noch nicht vollständig entwickelt, heißt es auf der Homepage . Zudem ließen sie sich schnell ablenken, was zu einer hohen Unfallgefahr beitrage.

ADFC: Eine individuelle Frage und nicht nur eine des Alters

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hingegen kritisiert derart pauschale Ratschläge. Wann ein Kind den Schulweg auf dem Rad meistern könne, hänge von individuellen Fähigkeiten und der Verkehrssituation ab. Bis zur schulischen Radfahrausbildung müsse nicht gewartet werden, heißt es dort .

Die Radfahrprüfung sollte nicht überschätzt werden.

ADFC

Auch sei die Prüfung in der dritten oder vierten Klasse keine vorgeschriebene Erlaubnis zum Fahrradfahren. Schüler seien auch schon früher auf dem Schulweg im Rahmen der gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert.

Allerdings listet auch der ADFC eine Reihe von Fähigkeiten auf, die Kinder beherrschen müssen, um sicher mit dem Fahrrad unterwegs zu sein: Die Kinder müssen ihr Gleichgewicht halten, den Bremsweg einschätzen und die Spur halten können, wenn sie sich umsehen und die Hand ausstrecken.

Außerdem sei es notwendig, sich trotz der höheren Geschwindigkeit auf dem Rad im Straßenverkehr zu orientieren und vorausschauend planen zu können. "Wie weit ein Kind dazu schon in der Lage ist, können Eltern bei ihrem Nachwuchs am besten einschätzen", schreibt der ADFC.

irb
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