Maskenpflicht im Unterricht Onlineumfrage wegen mutmaßlicher Sabotage abgebrochen

In Schleswig-Holstein hat ein Elternvertreter eine Umfrage zur Maskenpflicht im Unterricht wegen mutmaßlicher Manipulationsversuche abgebrochen. Bildungsministerin Prien nennt die Vorgänge "absolut inakzeptabel".
Mit Maske im Unterricht: Eine Umfrage zu diesem Thema musste abgebrochen werden (Symbolbild)

Mit Maske im Unterricht: Eine Umfrage zu diesem Thema musste abgebrochen werden (Symbolbild)

Foto: Gregor Fischer / DPA

In Schleswig-Holstein ist eine Onlineumfrage zur Maskenpflicht im Unterricht abgebrochen worden, weil sie offenbar von Maskengegnern manipuliert wurde. "Dabei sollte es nur um ein Stimmungsbild gehen", sagt Thorsten Muschinski, 46, Vorsitzender des Landeselternbeirates der Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein. Er hatte die Aktion am vergangenen Freitag gestartet - ohne zu ahnen, was er damit auslöst.

In einschlägigen Foren sei dazu aufgerufen worden, die Abstimmung zu beeinflussen, berichtet Muschinksi dem SPIEGEL am Telefon. Einige Menschen hätten 20 bis 30 Mal abgestimmt, das sei an den IP-Adressen zu erkennen gewesen. "Im Netz kursierten sogar Anleitungen, wie Menschen auf unsere Fragen antworten sollen, damit sich am Ende eine Mehrheit gegen eine Maskenpflicht ausspricht", erzählt der Elternvertreter.

Der Vater ist merklich aufgebracht, vor allem weil er selbst und seine Familie wegen der Umfrage in sozialen Medien, per E-Mail und am Telefon massiv beleidigt und bedroht worden sei. Man werde ihn fertigmachen, habe ihn ein anonymer Anrufer gewarnt, so erzählt es der zweifache Vater. Es seien Sätze wie diese und schlimmere gefallen: "Wir wissen, wo du und deine Familie wohnen." Muschinski sagt, er habe bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt erstattet, "schon allein, um ein Zeichen zu setzen". Beweise für den Anruf hat er jedoch nicht. Posts bei Facebook sind inzwischen gelöscht.

"Mich hätte das echte Ergebnis interessiert"

Schleswig-Holstein hatte nach den Sommerferien zunächst auf eine Maskenpflicht verzichtet, sie dann aber doch für Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse eingeführt. Sie gilt auch im Unterricht, und zwar vorläufig bis kommenden Donnerstag. Zu der Frage, ob sie verlängert werden soll, wollte Muschinski nach eigenen Angaben die Meinung von Eltern einholen. Für die Umfrage auf der Website des Elternrates wurde im Newsletter und auf Facebook geworben.

Die Umfrage, die eigentlich bis zu diesem Dienstag laufen sollte, habe er am Wochenende vorzeitig beendet, sagt Muschinski. "Wir konnten bei den rund 8.500 Antworten nicht mehr auseinanderklamüsern, wer wie oft abgestimmt hat." Maskengegner hätten sich damit letztlich um ihre eigene Stimme in der Debatte gebracht, kritisiert er. "Mich hätte das echte Ergebnis interessiert." Schließlich sei die Umfrage ergebnisoffen gewesen:

"Bist du für eine Verlängerung der Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht?", hieß es auf dem Fragebogen. "Ja", "nein" oder "Ist mir egal" konnten Nutzer als mögliche Antworten angeben.

"Hätte sich eine Mehrheit gegen Masken für Schülerinnen und Schüler ausgesprochen, hätten wir dieses Ergebnis natürlich auch veröffentlicht", sagt Muschinski, der als Vorsitzender des Elternbeirates schon häufiger mehr Infektionsschutz für Schülerinnen und Schüler sowie in der Presse auch eine Maskenpflicht im Unterricht gefordert hatte.

Bildungsministerin: "Absolut inakzeptabel"

Die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Karin Prien (CDU) zeigte sich von Muschinksi Bericht entsetzt: "Die Vorfälle und die versuchte Manipulation der Umfrage zu Mund-Nasen-Bedeckungen an Schulen zeigen, welch aggressive Minderheit gegen die Alltagsmasken agitiert", teilte Prien mit. Beleidigungen und verbale Angriffe gegen einen Landeselternbeiratsvorsitzenden, der durch eine Onlineumfrage zur Meinungsbildung beitragen wollte, seien "absolut inakzeptabel".

Mehrere Bundesländer hatten nach den Herbstferien ihre Vorschriften zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verschärft - und waren damit sowohl auf Lob als auch Kritik gestoßen. Während viele Schüler, Eltern und Lehrer die Maskenpflicht als zentrale Maßnahme zum Infektionsschutz an Schulen bewerten, bezweifeln andere ihren Nutzen oder halten sie für eine fragwürdige Belastung für Kinder und Jugendliche. Die Maskenpflicht im Unterricht hat bereits diverse Gerichte beschäftigt - und auch Umfragen zur Maskenpflicht wurden schon häufiger torpediert.

So gab es Anfang August einen Angriff auf das Deutsche Schulportal: Innerhalb von rund 16 Stunden sei über wenige IP-Adressen die Abstimmung offenbar automatisiert mehrere 100.000 Mal zugunsten der "Ja”-Stimmen durchgeführt worden, heißt es auf der Seite des Portals.