Medienkompetenz Studie zeigt »tiefe Informationskluft« bei Jugendlichen

Die Hälfte der Jugendlichen findet es unwichtig, sich über aktuelle Ereignisse zu informieren – das legt eine neue Studie offen. Den Befragten fehle in journalistischen Medien oft die Verbindung zum eigenen Alltag.
»Tiefe Informationskluft« bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Schüler am Tablet

»Tiefe Informationskluft« bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen: Schüler am Tablet

Foto: Donald Iain Smith / Tetra images RF / Getty Images

Nachrichten? Sind doch egal: Jeder und jede zweite Jugendliche und junge Erwachsene hält es nicht für wichtig, sich über aktuelle Ereignisse und Neuigkeiten gezielt zu informieren. Das zeigt die am Mittwoch in Hamburg vorgestellte Studie #UseTheNews  des Leibniz-Instituts für Medienforschung  und der Deutschen Presseagentur.

Bei den unter 25-Jährigen gebe es »eine tiefe Informationskluft«, stellen die Forscherinnen und Forscher fest: Während sich die eine Hälfte der Schülerinnen und Schüler sowie der jungen Erwachsenen gezielt informiert, verlasse sich die andere Hälfte auf zufällig aufgeschnappte Infos. Quellen seien in diesen Fällen zumeist Social-Media-Kanäle und Aussagen von Bekannten und Familienangehörigen. Sie seien in der Folge »deutlich schlechter informiert als ihre Altersgenossen, die regelmäßig auch journalistische Nachrichtenquellen nutzen«, heißt es in der Studie.

Die Forscherinnen und Forscher identifizierten vier jugendliche Nachrichten-Nutzertypen:

  • Die journalistisch Informationsorientierten zeigen ein hohes Nachrichteninteresse und nutzen journalistische Quellen intensiv, Social-Media-Kanäle dagegen deutlich weniger. Sie gelten als gut informiert.

  • Ebenfalls gut informiert sind die umfassend Informationsorientierten, die in ihrem Informationsverhalten gezielt journalistische Medien und nichtjournalistische Angebote kombinieren.

  • Schlecht informiert sind dagegen die nichtjournalistisch Informationsorientierten, die sich in erster Linie auf Social-Media-Infos verlassen und ein mittleres Nachrichteninteresse zeigen.

  • Die gering Informationsorientierten haben nur ein geringes Interesse an Nachrichten und aktuellen Ereignissen und nutzen journalistische und nichtjournalistische Angebote kaum oder gar nicht.

Dabei zeigte sich, dass eine formal niedrigere Bildung tendenziell mit geringem Nachrichteninteresse und mit geringerer Medienkompetenz einhergeht.

Die Studie

Viele Jugendliche und junge Erwachsene beklagten, dass journalistischen Nachrichten oft der Bezug zu ihrem eigenen Leben fehle. Dieser Aussage stimmten bei den 14- bis 17-Jährigen 67 Prozent derjenigen zu, die sich vor allem über Social-Media-Angebote informieren. Aber auch bei den »journalistisch Informationsorientierten«, der Gruppe mit dem stärksten Bezug zu klassischen Medien, teilen noch 40 Prozent diese Meinung.

Insgesamt gesehen nutzen die unter 17-Jährigen eher nichtjournalistische Informationsquellen: 46 Prozent schauen mehrmals pro Woche in journalistische Medien, 58 Prozent auf andere Akteure und Quellen. »Auffällig ist die hohe Relevanz von Influencern auf die Meinungsbildung«, heißt es in der Untersuchung. Dies gelte für alle, die sich auch oder ausschließlich im Social-Media-Bereich informierten.

»Journalistische Anbieter sollten Wege entwickeln und erproben, die Alltagsrelevanz ihrer Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene herauszustellen«, sagen die Studienautoren Uwe Hasebrink, Sascha Hölig und Leonie Wunderlich vom Leibniz-Institut für Medienforschung. Parallel dazu müssten Journalistinnen und Journalisten zeigen, »dass sie aufgrund ihrer Kompetenzen und Arbeitsweisen besser als andere Informationsanbieter in der Lage sind, relevante Informationen zu liefern«.

Auch der SPIEGEL engagiert sich mit dem Projekt SPIEGEL Ed bei der Vermittlung von Medienkompetenz und bietet Workshops, Videos und Unterrichtsmaterial zum Thema an. Ein Ansatz, den auch die Studie unterstützt: Bei vielen Jugendlichen sei das Wissen über Funktionen und Arbeitsweisen im Journalismus begrenzt – daher müsse die schulische Medienbildung ausgebaut werden.

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