Studie zur Mediennutzung von Kindern Am Anfang war das gedruckte Wort

Von wegen Digital Natives: Die 4- bis 13-Jährigen in Deutschland nutzen eher klassische Medien als Streamingdienste. Doch die Unterschiede zwischen einzelnen Gruppen und Milieus sind enorm, zeigt eine neue Studie.
Kinder im Leseklub einer Grundschule in Köln (Archivbild)

Kinder im Leseklub einer Grundschule in Köln (Archivbild)

Foto: Oliver Berg/ dpa

Kinder bis 13 Jahre konsumieren mehrmals pro Woche das laufende Fernseh- und Radioprogramm, dazu lesen sie gedruckte Zeitschriften. Und je jünger sie sind, desto seltener nutzen sie Angebote bei Streamingdiensten.

Das ist das Ergebnis des Kinder-Medien-Monitors 2020 , einer vom SPIEGEL und mehreren Partnern durchgeführten Studie, deren Ergebnisse am Dienstag vorgestellt wurden. Knapp 7,4 Millionen Kinder im Alter von 4 bis 13 Jahren gibt es in Deutschland - und sie bilden eine ziemliche Marktmacht: Durch Taschengeld und andere Geschenke verfügen sie früheren Studien zufolge über rund drei Milliarden Euro Kaufkraft.

Die neue Untersuchung zeigt: Obwohl heutige Kinder eigentlich Digital Natives sind, die in eine digitale Welt hineingeboren wurden, nutzen sie in überraschend großem Umfang klassische Medien.

So schauen 88 Prozent Fernsehsendungen nicht etwa zeitversetzt, sondern genau dann, wenn sie gerade im TV laufen. Bei Sendungen und Hörspielen im Radio ist der Wert mit 66 Prozent etwas niedriger; 73 Prozent lesen Bücher, Zeitschriften und Comics auf Papier. "Elektronische Endgeräte und Lesemedien spielen in keinem Alter eine Rolle", heißt es in der Studie. Auch Datenträger wie DVDs oder Blu-Rays werden von den Kindern kaum genutzt.

Multi, Streamer, klassisch, zurückhaltend

Vier Mediennutzungstypen haben die Forscherinnen und Forscher unter den befragten Kindern identifiziert:

  • Jedes fünfte Kind (19 Prozent) gehört zur Gruppe der Multis. Damit bezeichnen die Autorinnen und Autoren der Studie die Kinder, die besonders viel kommunizieren: "Sie sind ständig auf sämtlichen Medienplattformen und -kanälen unterwegs und kommunizieren überdurchschnittlich stark über alle verfügbaren Kommunikationskanäle und -Apps". Multis sind im Schnitt zehn Jahre alt.

  • Als die Klassischen werden im Kinder-Medien-Monitor diejenigen Kinder bezeichnet, deren Mediennutzung sehr analog ist: "Ihr Fokus beim Medienkonsum liegt ganz klar auf dem laufenden Fernseh- und Radioprogramm, gelesen wird fast ausschließlich von Papier." Als einzige Gruppe schreiben sie noch Briefe und Postkarten, digitale Kanäle werden "weit unterdurchschnittlich" zur Kommunikation genutzt. Die Klassischen bilden mit 45 Prozent die mit Abstand größte Gruppe, Durchschnittsalter: 9,3 Jahre.

  • 22 Prozent der Kinder werden von den Forscherinnen und Forschern zur Gruppe der Zurückhaltenden gezählt. Mit einem Durchschnittsalter von knapp neun Jahren sind sie die jüngste Gruppe. "Lineares TV und Zeitschriften sind in dieser Gruppe die Medien der Wahl, insgesamt sind die Mediennutzung und das Kommunikationsverhalten über alle Kanäle hinweg allerdings weit unterdurchschnittlich", so der Befund. Bei den Eltern dieser Kinder gibt es eine vergleichsweise geringe Medienakzeptanz.

  • Mit 14 Prozent machen die Streamer die kleinste Gruppe der Mediennutzungstypen aus - und die älteste: Sie sind im Schnitt elf Jahre alt und bewegen sich mit Leidenschaft und Ausdauer in der digitalen Welt, in Streaming- und Videodiensten. "Wie kein Typ sonst nutzen die Streamer alle möglichen digitalen Kommunikationskanäle und -Apps", heißt es im Monitor, "Lesen nimmt eine untergeordnete Rolle ein."

Für den Kinder-Medien-Monitor wurde zusammen mit den Kindern auch jeweils ein Elternteil befragt. Dabei zeigte sich, dass Väter und Mütter viele der von den 4- bis 13-Jährigen genutzten Medien ebenfalls konsumieren: 94 Prozent der Eltern lesen bei den 4- und 5-Jährigen mit, bei den 10- bis 13-Jährigen sind es immerhin noch 65 Prozent.

Kinder-Medien-Monitor 2020

Der Kinder-Medien-Monitor ist eine gemeinsame Erhebung von fünf großen Verlagen, die Medien für Kinder und Jugendliche veröffentlichen: Neben dem SPIEGEL sind die "Zeit", Egmont Ehapa, Gruner+Jahr und Panini beteiligt.

Die Erwachsenen bescheinigen dabei vor allem gedruckten Informationen viel Glaubwürdigkeit und pädagogischen Nutzen. So hielten 73 Prozent der befragten Eltern das Lesen von Magazinen für eine "sinnvolle Beschäftigung" für die Kinder.

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Dass Zeitschriften die Fantasie und die Kreativität anregen, glauben 74 Prozent der Väter und Mütter. Und 84 Prozent meinen, Kinder könnten beim Lesen der Magazine etwas lernen.