Verweis auf muslimische Schüler Bildungsministerin beklagt Druck auf Lehrkräfte

Werden Lehrerinnen und Lehrer von muslimischen Familien bedrängt, bestimmte Unterrichtsinhalte nicht zu behandeln? In einem Interview erweckt Bundesbildungsministerin Anja Karliczek diesen Eindruck.
"Offenbar keine Einzelfälle mehr": Anja Karliczek

"Offenbar keine Einzelfälle mehr": Anja Karliczek

Foto: Wolfgang Kumm/ DPA

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat Druck muslimischer Schüler und ihrer Eltern auf Lehrerinnen und Lehrer beklagt, bestimmte Lehrstoffe auszulassen. "Offenbar sind solche Vorfälle keine Einzelfälle mehr. Hier muss man sehr wachsam sein. Es geht darum, unsere Werte zu schützen und auch unseren Lehrkräften beizustehen", sagte die CDU-Politikerin im Interview mit der "Welt am Sonntag".

Wie oft solche Vorfälle an Schulen bekannt werden, welche Unterrichtsinhalte konkret betroffen sind und ob dahinter ein grundsätzliches Problem steht, sagte Karliczek jedoch nicht. Die Bildungsministerin erklärte lediglich, es sei ein Problem, "dass viele junge Muslime in einer Parallelwelt leben – hier der öffentliche Schulunterricht, dort die Glaubensschulen, in denen zum Teil ganz andere Werte als in den Schulen vertreten werden".

"Nicht ausschließlich auf die Schüler schauen"

Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hatte nach der Enthauptung des französischen Geschichtslehrers Samuel Paty durch einen mutmaßlichen Islamisten vor Drohungen gegen Lehrkräfte in Deutschland gewarnt. "Auch hierzulande gibt es von verschiedenen Seiten immer wieder politisch oder religiös motivierte Versuche, Lehrkräfte einzuschüchtern, zu bedrohen beziehungsweise an den Pranger zu stellen", so Meidinger. Unterricht und demokratische Werteerziehung dürften für Lehrkräfte nicht zur Mutprobe werden.

Die Lehrkräfte bräuchten Rückendeckung und Angebote für eine Fortbildung, wie sie sich in solchen Konflikten verhalten sollten, sagte Karliczek ohne Verweis auf konkrete Vorfälle. "Man darf dabei nicht ausschließlich auf die Schüler schauen. Kinder spiegeln nur das wider, was in den Elternhäusern gesagt und erlebt wird." In den Schulen müssten "ganz klar auch der Respekt und die Toleranz gegenüber der Meinung anderer und der Religion von anderen" gelebt werden.

him/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.