Antrag der Münchner CSU Schafkopf als Schulfach

Das bayerische Brauchtum könnte in Vergessenheit geraten, fürchtet die CSU-Fraktion im Münchner Rathaus - und fordert deshalb, Schulen sollten künftig das Kartenspiel Schafkopf und Dialekt unterrichten.
Aus der Kneipe ins Klassenzimmer: Schafkopf ist ein traditionelles bayerisches Kartenspiel.

Aus der Kneipe ins Klassenzimmer: Schafkopf ist ein traditionelles bayerisches Kartenspiel.

Foto: Armin Weigel/ dpa

Wissen Münchner Kinder mit Begriffen wie "strawanzn" oder "Potschamperl" nichts mehr anzufangen? Und müsste man dagegen nicht dringend etwas tun?

Der Meinung ist zumindest die CSU-Fraktion im Münchner Rathaus. In zwei Anträgen fordert sie deshalb eine "Rückbesinnung auf Heimat und Tradition" in den Schulen der bayerischen Landeshauptstadt - "unabhängig vom Schulzweig". Deshalb sollten sowohl die bayerische Mundart, "vor allem der Münchner Dialekt", als auch das Kartenspiel "Schafkopf" einen Platz im Stundenplan bekommen, in Form eines Wahlfachs oder einer Arbeitsgemeinschaft.

"Schafkopfen stärkt strategisches Denken"

Das bayerische Brauchtum drohe in seiner kulturellen und geschichtlich gewachsenen Eigenart in Vergessenheit zu geraten, heißt es in dem Papier, das dem SPIEGEL vorliegt. "Schafkopfen ist ein Teil dieses Kulturgutes." Und damit nicht genug: Das Kartenspiel stärke auch "strategisches Denken, Rechnen und Teamfähigkeit". Die Gegenüberstellung des Hochdeutschen und des bayerischen Dialektes fördere das "allgemeine Sprachgefühl und das Sprachverständnis."

Der Vorschlag, das traditionelle Kartenspiel in die Schulen zu holen, ist nicht ganz neu: Im Jahr 2018 hatte der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes Michael Schwägerl eine ähnliche Idee gehabt. "Wir wünschen uns, dass das Kartenspiel gerade in digitalen Zeiten wieder mehr an Bedeutung gewinnt, auch in der Schule", schrieb Schwägerl in einer Mitteilung.

Eine Schafkopf-App auf dem Smartphone ersetze nicht das Spiel mit dem echten Gegenüber, denn der Reiz des Spiels liege nicht zuletzt in der Interaktion der Spieler untereinander.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) kommentierte damals: "Ich freue mich, wenn Schafkopf und andere bayerische Kartenspiele einen Platz im Schulleben haben - sei es in Arbeitsgemeinschaften oder bei entsprechenden Schulveranstaltungen."

olb
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