Ferienende Schüler dürfen (fast) überall in Präsenz starten

In mehreren Bundesländern beginnt inmitten der Omikron-Welle die Schule nach den Weihnachtsferien wieder. Bis auf Thüringen setzen alle Bundesländer (bisher) auf Präsenzunterricht.
Grundschüler auf dem Weg zum Unterricht (Archiv): »Präsenzunterricht ist eine Frage der Chancengerechtigkeit«

Grundschüler auf dem Weg zum Unterricht (Archiv): »Präsenzunterricht ist eine Frage der Chancengerechtigkeit«

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Gregor Fischer / dpa

Schülerinnen und Schüler in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen und Rheinland-Pfalz kehren nach den Weihnachtsferien zurück in den Unterricht. Weitere Bundesländer folgen in den nächsten Tagen, einige am Montag kommender Woche – Stand jetzt ebenfalls im Präsenzunterricht.

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sagte am Montag im ARD-»Morgenmagazin«, dies müsse »so lange wie irgendwie vertretbar« gelten. Kinder hätten in der Pandemie bereits »zu viel gelitten«, führte Wüst zur Begründung an. Auch die neue Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) betonte am Montag auf Twitter, Präsenzunterricht sei eine Frage der Chancengerechtigkeit.

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Andernorts dominierte die Sorge vor der fünften Welle, das Bekenntnis zum Präsenzunterricht wurde deshalb nicht überall begrüßt. In Thüringen starten die Kinder und Jugendlichen sogar von zu Hause aus in den Schulbetrieb. Für sie soll es am Montag und Dienstag zunächst Distanzunterricht geben. Von Mittwoch, 5. Januar, an sollen die Schulen dann nach den Plänen der Landesregierung selbst darüber entscheiden können, ob sie in Präsenz oder im Distanz- oder Wechselunterricht weiterarbeiten.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linkspartei) verteidigte diese Entscheidung am Montagmorgen im Deutschlandfunk: »Es war notwendig, einen Sicherheitspuffer einzubauen. Weil ich das als Ministerium nicht entscheiden kann, habe ich das an die Schulen delegiert. Ich weiß, dass es eine weitere Belastung der Schulleitungen bedeutet.« Dadurch, dass die Bundesregierung das Ende der epidemischen Lage von nationaler Tragweite beschlossen hatte, könnten Schulschließungen nicht mehr pauschal angeordnet werden.

Berlin setzt auf tägliche Tests

Berlins Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) hatte bereits am Donnerstag gesagt, sie setze zum Schulbeginn so lange wie möglich auf Präsenzpflicht. Nach ihrer Überzeugung hat der Präsenzunterricht klare Vorteile im Vergleich zum Wechselunterricht. Im RBB-Inforadio sagte sie, in der ersten Schulwoche nach den Ferien gebe es tägliche Tests. Danach seien drei Tests pro Woche für alle Schulpflichtigen vorgesehen.

Geimpfte Kinder und Jugendliche sind von der Testpflicht in der Schule allerdings ausgenommen. Busse rief dazu auf, sich freiwillig zu testen, eine Testpflicht für diese Gruppe sei aber nicht nötig.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen forderte hingegen, die Schülerinnen und Schüler engmaschig zu testen: »In den Schulen brauchen wir tägliche Tests und leider auch die Maskenpflicht«, sagte er der »Rheinischen Post« vom Montag. »Die beste Testmethode für die Schulen sind PCR-Pool-Tests, weil sie am zuverlässigsten Infektionsherde sichtbar machen.«

Bei dieser Methode werden die Proben einer Klasse zusammen getestet – ergibt sich ein Coronaverdacht, werden die Kinder noch einmal einzeln getestet. Die Offenhaltung von Schulen und Kitas habe Priorität, betonte Dahmen.

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Kinderärzte trotz Omikron für Präsenzunterricht

Auch Kinderärzte riefen dazu auf, trotz der sich ausbreitenden Omikron-Virusvariante am Präsenzunterricht festzuhalten. »Es gibt eine klare und unmissverständliche Zusage der Politik, Schulschließungen – wenn überhaupt – als allerletzte Maßnahme in Betracht zu ziehen«, sagte der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, der Online-Ausgabe der »Ärzte Zeitung« vom Montag. »Auf dieser Zusage beharren wir.«

Grundsätzlich sei an den Schulen bislang zu wenig passiert, um sich umfassend auf die Pandemielage einzustellen, kritisierte Fischbach. »Wenn Vertreter von Lehrerverbänden bei steigender Inzidenz dann immer sofort nach Schulschließungen rufen, dann ist das im Grunde eine Bankrotterklärung des Schulsystems in Deutschland.«

Es gebe eine Reihe an Möglichkeiten, trotz anziehender Pandemielage Schulschließungen zu vermeiden, betonte Fischbach. So müssten vorliegende Hygienekonzepte an den Schulen konsequenter umgesetzt und Lehrer entsprechend fortgebildet werden. Länder und Kommunen sollten zudem ausreichend Luftfilter für die Einrichtungen bereitstellen. »Die Mittel dafür sind da – sie werden aber noch nicht überall abgerufen«, sagte der Verbandspräsident.

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, sprach sich hingegen dafür aus, nicht unter allen Umständen »auf Präsenzunterricht zu pochen«, sagte er der »Rheinischen Post« am Sonntag. Der Schulbetrieb müsse sichergestellt sein, »das muss besser vorbereitet sein als vor einem Jahr, zum Beispiel durch Hybridunterricht«. »Auch wenn die Hälfte der Schüler oder der Lehrkräfte in Quarantäne ist, muss Unterricht stattfinden können.«

Das Präsidium der Kultusministerkonferenz (KMK) hatte zum Jahreswechsel bekräftigt, dem Präsenzunterricht an Schulen weiterhin höchste Priorität einzuräumen. Die Ländervertreter hätten auf Präsidiumsebene auch festgestellt, »dass alle Länder außer Thüringen nach den Weihnachtsferien in Präsenz starten wollen«. Allerdings verabredeten die Kultusministerinnen und -minister der Länder, sich angesichts der drohenden neuen Coronawelle am kommenden Mittwoch doch kurzfristig zu einem Krisengipfel zu treffen. In der Videokonferenz soll es um die Lage an den Schulen angesichts der schnellen Omikron-Verbreitung gehen.

sun/dpa/AFP