Kinder und die neue Coronaregeln Die Maske an Schulen soll weg – aber nicht überall

Deutschland steuert auf weitreichende Coronalockerungen zu, aber wie geht es an den Schulen weiter? Tests und Maske könnten mancherorts bald passé sein – trotz mahnender Stimmen.
Muss die Maske noch sein? Länder wollen lockern (Symbolbild)

Muss die Maske noch sein? Länder wollen lockern (Symbolbild)

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Rolf Vennenbernd/ picture alliance/ dpa

Ab dem 20. März darf wieder getanzt und gefeiert werden, dann sollen »alle tiefgreifenden Schutzmaßnahmen« zur Eindämmung der Coronapandemie fallen, wenn dies die Lage auf den Intensivstationen zulässt. Klubs und Diskotheken sollen öffnen, Treffen mit mehr als zehn Personen wieder erlaubt sein. So haben es Bund und Länder zuletzt beschlossen – offen ließen sie allerdings, wie es an Deutschlands Schulen weitergehen soll. Denn die sind Ländersache.

Anfang März will sich die Kultusministerkonferenz (KMK) treffen und beraten. Einige Bundesländer haben ihren Kurs aber – mal wieder – mit Verweis auf die unterschiedliche Lage vor Ort schon vorab festgelegt. Von Einheitlichkeit kann keine Rede sein. Einige lockern ein wenig, andere weitreichend – und wischen manche Bedenken vom Tisch.

Weniger Maske, weniger Tests – oder woanders

»Wenn jetzt in allen Bereichen der Gesellschaft gelockert werden soll, müssen wir im Sinne der Kinder und Jugendlichen auch an den Schulen für eine Rückkehr zur Normalität Erleichterungen schaffen«, sagt Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU). »Das bedeutet, dass wir über Änderungen bei der Maskenpflicht am Platz und den Tests sprechen müssen. Das sind wir den Schülerinnen und Schülern nach vielen Wochen und Monaten der extremen Belastung schuldig.«

Niedersachsen hat schon Nägel mit Köpfen gemacht. Hier sollen sowohl die tägliche Testpflicht als auch die Maskenpflicht im Unterricht entfallen, und zwar stufenweise. »Wir erleichtern den Schulalltag, schmeißen die Sicherheit aber nicht achtlos über Bord«, heißt es von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

Vom 7. März an soll die Testpflicht für Schüler mit Ausnahme der ersten eineinhalb Wochen nach den Osterferien auf drei statt fünf Tests pro Woche reduziert werden. Die Maskenpflicht soll im ersten Schritt am 21. März entfallen – zunächst für Grund- und Förderschüler. Bis Anfang Mai sollen alle weiteren Schüler auf die Mund-Nase-Bedeckung verzichten dürfen, auch beim Sport, aber nicht auf Gängen und dem Außengelände.

»Die Corona-Lage bessert sich zwar deutlich, aber Corona ist noch nicht vorbei«

Ties Rabe, Schulsenator in Hamburg

In Schleswig-Holstein soll die Testpflicht ab dem 21. März wegfallen. Schülerinnen und Schüler könnten sich zunächst noch zweimal die Woche freiwillig zu Hause testen – müssten aber nicht. Spätestens am 1. April 2022 soll zudem die Maskenpflicht enden.

Nordrhein-Westfalen will ebenfalls seine Teststrategie ändern, aber anders als im Norden. Grundschülerinnen und -schüler sollen ab dem 28. Februar dreimal pro Woche einen Corona-Selbsttest zu Hause machen. Eltern müssten einmalig schriftlich versichern, dass ihre Kinder am Testverfahren daheim teilnehmen.

Hamburg gibt sich zurückhaltend. Es bleibe mindestens bis zu den Hamburger Frühjahrsferien am 5. März bei der Maskenpflicht im Schulgebäude und bei drei Coronatests pro Woche. »Die Coronalage bessert sich zwar deutlich, aber Corona ist noch nicht vorbei«, warnt Schulsenator Ties Rabe. Noch vor Kurzem habe es geheißen, dass Schulbesuch und Präsenzunterricht zu gefährlich seien, jetzt werde plötzlich das Ende von Masken- und Testpflicht und aller Sicherheitsmaßnahmen an den Schulen gefordert. »Ein solches Hin und Her ist rational schwer zu erklären.«

Lauterbach: Keine »Durchseuchung bis zum besseren Wetter«

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach äußerte angesichts der geplanten Lockerungen deutliche Bedenken. Wie bei Erwachsenen gelte es, auch die Kinder in einen »geschützten Raum hinein« mitzunehmen und »nicht eine Durchseuchung in den letzten Monaten bis zum besseren Wetter« zuzulassen, mahnte der SPD-Politiker am Freitag. »Das ist nicht akzeptabel.« Die Bundesregierung fordere weiter zu einem guten Schutz der Kinder auf. Dazu zählten bei den gerade noch hohen Inzidenzen natürlich auch Masken.

Zwei Tage zuvor hatte Lauterbach jedoch in einem ZDF-Spezial auf die Frage erklärt, wann etwa die Maskenpflicht im Klassenzimmer fallen könne, alles hänge davon ab, wie gut die Fallzahlen gesenkt werden könnten. »Wenn es jetzt systematisch weiter runtergeht, dann sind in einigen Wochen auch die Schulen massiv zu entlasten.«

Der Immunologe Michael Meyer-Hermann vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig sagt, vorrangig müsse dafür gesorgt werden, dass Schulen »stabil und gleichmäßig« offen blieben. Man könne daher Masken in den Schulen dann absetzen, »wenn das dieses Ziel nicht gefährdet«.

Lauterbach begrüßte die jüngste Stellungnahme des Corona-Expertenrats der Bundesregierung, dass der Schutz der Kinder sehr wichtig sei. Er ärgere sich immer, wenn die Rede davon sei, dass Infektionen für Kinder unbedenklich seien oder gar unbedenklicher als Impfungen. »Das ist beides schlicht falsch.«

Auch Bundesfamilienministerin Anne Spiegel lobte die Stellungnahme und zeigte sich skeptisch gegenüber Lockerungen an Schulen. Sie stimme der Empfehlung des Expertenrats uneingeschränkt zu, dass Schulen, Kitas und außerschulische Bildungs-, Freizeit- und Sporteinrichtungen für Kinder und Jugendliche offenbleiben müssten, sagte die Grünenpolitikerin. »Um sie allerdings bestmöglich vor einer Ansteckung zu schützen, muss weiter regelmäßig und verbindlich getestet werden.«

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Expertenrat: Aktuelle Regeln unterscheiden sich drastisch

Der Corona-Expertenrat der Bundesregierung hatte am Donnerstagabend in einer Stellungnahme gefordert, dem Wohl von Kindern in der Pandemie eine hohe Priorität einzuräumen. »Die Pandemie belastet Kinder und Jugendliche aus vielfältigen Gründen besonders stark«, teilte der Rat mit, dem etwa der Virologe Christian Drosten, die Virologin Melanie Brinkmann und die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, angehören.

Die Belastung schließe »zum einen, wenn auch in geringerem Ausmaß als in anderen Altersgruppen, die primäre Krankheitslast durch die Sars-CoV-2-Infektion selbst ein«. Besonders schwerwiegend sei allerdings die sogenannte sekundäre Krankheitslast durch psychische und physische Erkrankungen der Kinder und Jugendlichen. Diese würden ausgelöst etwa durch Lockdown-Maßnahmen, Belastungen in der Familie wie Angst, Krankheit, Tod oder Existenzverlust, Verlust an sozialer Teilhabe oder an Planungssicherheit.

Zugangsbeschränkungen, die einen Großteil der Kinder und Jugendlichen vom Besuch altersgerechter Freizeitangebote ausschlössen, müssten auf Bundes- und Länderebene entfallen, soweit es die pandemische Lage erlaube, heißt es in dem Papier, das auch einen Seitenhieb gegen die Länder enthielt. »Die aktuellen Regelungen für Kinder und Jugendliche unterscheiden sich drastisch und scheinbar willkürlich zwischen den Bundesländern«, so der Rat. Die Länder sollten die Regeln einheitlich und nach dem Prinzip der maximal möglichen Teilhabe gestalten.

fok/dpa
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