Neue Bildungsstudie Distanzunterricht gerade mal so effektiv wie Sommerferien

»Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen«: Geht es nach einer neuen Bildungsstudie, hätte man sich den Distanzunterricht eigentlich schenken können. Doch die Forscher sehen auch Grund für vorsichtige Zuversicht.
Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander: Schüler im Distanzunterricht (im Januar 2021 in Korschenbroich)

Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander: Schüler im Distanzunterricht (im Januar 2021 in Korschenbroich)

Foto: Jonas Güttler / dpa

Ein denkbar schlechtes Zeugnis stellt eine neue Studie dem Distanzunterricht während der Coronakrise aus. Forscher der Frankfurter Goethe-Universität hatten sich dafür Daten aus aller Welt angesehen – mit ernüchterndem Ergebnis: Sie fanden in den Studien, die sich überwiegend auf den Distanzunterricht im Jahr 2020 beziehen, kaum Hinweise auf Lerneffekte durch den Distanzunterricht .

»Die durchschnittliche Kompetenzentwicklung während der Schulschließungen im Frühjahr 2020 ist als Stagnation mit Tendenz zu Kompetenzeinbußen zu bezeichnen«, erklärte Andreas Frey, an der Goethe-Universität Professor für Pädagogische Psychologie und einer der Autoren der Studie. Der Erfolg des Distanzunterrichts »liegt damit im Bereich der Effekte von Sommerferien«.

Die Forscherinnen und Forscher haben in ihrem systematischen Review weltweit jene Studien identifiziert, die die Auswirkungen der coronabedingten Schulschließungen auf die Leistungen und Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern untersucht hatten. »Wir haben nur forschungsmethodisch hochwertige Publikationen berücksichtigt, die eindeutige Rückschlüsse auf die Wirkung coronabedingter Schulschließungen auf den Kompetenzerwerb von Schülerinnen und Schülern erlauben«, sagte Frey.

Dabei zeigte sich: Besonders große Kompetenzeinbußen waren bei Kindern und Jugendlichen aus sozioökonomisch schwachen Elternhäusern und bei jüngeren Schülerinnen und Schülern zu beobachten. »Hiermit sind die bisherigen Vermutungen durch empirische Evidenz belegt: Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich während der ersten coronabedingten Schulschließungen noch weiter geöffnet«, sagte Frey.

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Allerdings gebe es auch erste Anhaltspunkte dafür, dass die Effekte der späteren Schulschließungen ab dem Winter nicht zwangsläufig ebenso drastisch ausfallen müssen: Inzwischen habe sich die Online-Lehre vielerorts verbessert.

Während die Kultusministerkonferenz bereits mehrfach betont hatte, nach den Sommerferien auf jeden Fall wieder zum Präsenzunterricht für alle zuzukehren, hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu Vorsicht gemahnt. Nach Ausbrüchen der Delta-Variante in mehreren Bildungseinrichtungen hatte Spahn für eine Verlängerung der Coronamaßnahmen plädiert: Schulen dürften keine »Drehscheibe in die Haushalte hinein« werden.

him/dpa
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