Moderner Schulunterricht Lehramtsstudium ohne Digitalkompetenz? Kein Problem

Lahm, lahmer, digital: Wer in Deutschland Lehrer werden möchte, kann einer Studie zufolge studieren, ohne sich je mit digitalen Medien zu befassen.
Keine Selbstverständlichkeit: Lehrkraft mit Digitalkompetenz (Archivbild)

Keine Selbstverständlichkeit: Lehrkraft mit Digitalkompetenz (Archivbild)

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Wer in Deutschland Lehrerin oder Lehrer werden möchte, kann sein Studium vor dem Gang ins Referendariat noch immer ohne Digitalkompetenz abschließen. Eine neue Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) aus Gütersloh zeigt: Nur 20 Prozent der Hochschulen geben verpflichtende Angebote für alle Lehramtsstudierenden unabhängig vom Lehramtstyp vor. Das teilte das CHE am Mittwoch mit .

Für die Untersuchung wurden Daten aus dem »Monitor Lehrerbildung« ausgewertet. Demnach gab es von 2017 bis 2020 nur geringe Fortschritte bei der Verankerung des Themas in den Lehrplänen der Hochschulen. Digitale Medienkompetenz umfasst laut CHE die Bereiche Medienkritik, Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung und Mediendidaktik.

Auch die Coronakrise habe die Veränderungen hin zu mehr Medienkompetenz im Studium nicht beschleunigt, heißt es in der Auswertung: »So würde es bei bisherigem Tempo etwa für das Lehramt an Gymnasien bis ins Jahr 2040 dauern, ehe digitalisierungsbezogene Kompetenzen flächendeckend in der Lehrerbildung etabliert sind.«

Die Studie

Die Studie basiert auf dem »Monitor Lehrerbildung «, einer bundesweiten Datenbank zum Lehramtsstudium. Es handelt sich dabei um ein gemeinsames Projekt von Bertelsmann Stiftung, dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), der Robert Bosch Stiftung und des Stifterverbands.

Angesichts der desaströsen Ergebnisse müsse es jetzt eine schnelle Reform der Lehramtsstudiengänge in Richtung Digitalisierung geben, sagt Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands: »Eine gute technische Ausstattung und jüngere Lehrkräfte allein gewährleisten noch keine gute digitale Bildung.« Bund und Länder müssten jetzt die entsprechenden Reformen und den dauerhaften technischen Support finanzieren: »Schulen und Hochschulen können diese gewaltige Daueraufgabe nicht aus eigener Kraft stemmen.«

him/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.