Jahrelanger Lehrermangel Niedersachsens Schülerrat lobt Kultusministerin für »erschreckende Prognose«

»Endlich eine Prognose, die ehrlich ist«: Niedersachsens Schülervertretung gefällt, dass die neue Kultusministerin Klartext redet – und fordert binnen zehn Jahren eine Beseitigung des Lehrkräftemangels.
Unterricht an einer Berliner Schule: »Mindestens zehn Jahre werden wir durch eine Talsohle gehen, wo wir nicht ausreichend Lehrkräfte haben werden«

Unterricht an einer Berliner Schule: »Mindestens zehn Jahre werden wir durch eine Talsohle gehen, wo wir nicht ausreichend Lehrkräfte haben werden«

Foto: Jens Kalaene / picture alliance/dpa

Die Überbringerin einer schlechten Nachricht in Niedersachsen hat überraschendes Lob bekommen: »Es ist ein guter Schritt, dass die Kultusministerin endlich Klartext spricht«, teilte der Landesschülerrat Niedersachsen am Mittwoch mit – und reagierte damit auf die Einschätzung der neuen niedersächsischen Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne), dass der Lehrermangel an Schulen »tatsächlich auch die nächsten Jahre anhalten« werde.

Hamburg hatte am Dienstag überraschend deutliche Worte zur Personalsituation im Klassenzimmer gefunden: »Mindestens zehn Jahre werden wir durch eine Talsohle gehen, wo wir nicht ausreichend Lehrkräfte haben werden«, sagte sie im Interview mit dem NDR .

Das sei zwar eine »erschreckende Prognose«, aber es sei »endlich eine Prognose, die ehrlich ist, auf die man sich einstellen und mit der man arbeiten kann«, sagte Yanik Möller, Vorstandsmitglied des Landesschülerrates. Wer das Problem kenne, könne auch die richtigen Lösungen finden.

»Zurzeit fallen an den niedersächsischen Schulen regelmäßig mehrere Unterrichtsstunden pro Tag aus. Das ist aktuell unser Alltag«, sagte Louisa Basner, stellvertretende Vorsitzende des Landesschülerrates Niedersachsen. Die aktuelle Krankheitswelle habe die Situation verschärft.

Das Kultusministerium sei nun in der Pflicht, »konkrete und langfristige Maßnahmen vorzulegen, um den Lehrkräftemangel auch wirklich in zehn Jahren beseitigt zu haben«. Auch Lehrerverbände begrüßten im NDR  die offenen Worte der Ministerin.

Die Kultusministerinnen und -minister (KMK) der Länder veröffentlichen regelmäßig Zahlen zu Lehrerbedarf und -angebot. Allerdings fällt ihre Berechnung in der Regel deutlich positiver aus als die von Bildungsforschern, Stiftungen oder Lehrerverbänden.

Während die KMK bei ihrer letzten Modellrechnung davon ausging, dass 2030 rund 14.000 Lehrerinnen und Lehrer fehlen werden, hatte der Wissenschaftler Klaus Klemm Anfang des Jahres einen deutlich höheren Saldo von 81.000 ausgemacht.

Die neueste Modellrechnung für die Jahre bis 2035 sollte eigentlich auf der Kultusministerkonferenz vor knapp zwei Wochen vorgestellt werden. Da es aber noch Unstimmigkeiten gegeben habe, sei der Termin auf Anfang 2023 verschoben worden, teilte der Pressesprecher der KMK mit.

sun
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