Aus für Nonnenwerth-Gymnasium Eltern fordern Wiederaufnahme des Verfahrens gegen umstrittenen Investor

»Schwer bestürzt«: Nach der Schließung des Nonnenwerth-Gymnasiums müssen mehrere hundert Jugendliche andere Schulen besuchen. Doch für viele Eltern ist der Fall damit noch längst nicht erledigt.
Gymnasiums auf der Rheininsel Nonnenwerth – Luftaufnahme

Gymnasiums auf der Rheininsel Nonnenwerth – Luftaufnahme

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Thomas Frey / dpa

Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres in Rheinland-Pfalz haben sich Eltern des Nonnenwerth Gymnasiums wütend und enttäuscht gezeigt: Nachdem sie nicht verhindern konnten, dass die private Schule auf der Rheininsel geschlossen wird, müssen ihre Kinder nicht nur andere Schulen besuchen. Zudem sind neue Details zum Verkauf der Schule bekannt geworden – und es herrscht Frust, weil die Behörden den Fall zu den Akten gelegt haben.

Viele Eltern ehemaliger Schüler des Nonnenwerth-Gymnasiums sind »schwer bestürzt« darüber, dass die Koblenzer Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren gegen Peter Soliman, den Träger des privaten Gymnasiums, eingestellt habe, teilten die Eltern am Donnerstag in einem Schreiben mit.

Elternvertreter Olaf Schmitz appellierte an die ermittelnden Behörden, das Verfahren wieder aufzunehmen und »die Sachfakten beider Seiten zu würdigen«. Die Staatsanwaltschaft teilte dem SPIEGEL mit, gegen die Einstellung des Verfahrens sei Beschwerde eingelegt worden. Diese werde nun geprüft.

Eltern und US-Investor seit Jahren im Streit

Der US-amerikanische Investor Peter Soliman hatte das Privatgymnasium auf der Insel Nonnenwerth im August 2020 übernommen. Zuvor war die Schule fast 170 Jahre von Franziskanerinnen geführt worden. Soliman erklärte damals, er wolle die Einrichtung zu »neuem Glanz führen«.

Die Zukunft von Insel und Schule sei »dauerhaft gesichert«, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung der Franziskanerinnen mit dem neuen Eigentümer und Schulträger. Gehalten wurde dieses Versprechen jedoch nicht. Soliman führte unerwartete Kosten für den Brandschutz an, Eltern mutmaßten Profitinteressen. (Die Einzelheiten lesen Sie hier.)

Für die Eltern sprächen eindeutige Indizien dafür, dass der Investor Peter Soliman – entgegen seiner Zusicherungen – von Anfang an beabsichtigt habe, die Schule zu schließen. So schreiben sie es in ihrer aktuellen Mitteilung. Diese Indizien sähen sie von der Staatsanwaltschaft nicht hinreichend gewürdigt. Ein Elternteil hatte Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft ermittelte.

Mitte August teilte die Koblenzer Staatsanwaltschaft  mit, die Ermittlungen hätten den Anfangsverdacht des zweifachen Betruges im besonders schweren Fall nicht bestätigt. Den Ermittlungen zufolge sei eine Zusage über den Fortbetrieb der Schule gegenüber den Verkäuferinnen weder mündlich noch schriftlich erteilt worden. Der Verkauf sei auch nicht davon abhängig gemacht worden, dass die Schule fortgeführt werde.

Weiter heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft: »Im Zusammenhang mit der Einnahme von Spendengeldern konnten keine verbindlichen Zusagen festgestellt werden, wonach die Schule auf unabsehbare Zeit über das seinerzeit laufende Schuljahr hinaus und auch für den Fall unvorhergesehener Kosten fortbetrieben werden sollte.«

Der frühere Beschuldigte habe sich auf erhebliche erforderlich werdende Aufwendungen für den Brandschutz an der Schule berufen. Die Ermittlungen hätten keinen hinreichenden Beleg dafür erbracht, dass diese vorgeschoben gewesen wären.

Schüler und Eltern fühlen sich vom Orden hintergangen

In ihrer aktuellen Mitteilung monieren die Eltern nun, es sei lange unklar gewesen, ob der Kaufvertrag die Fortführung des Schulbetriebs mit einschloss.

»Die bittere Wahrheit, dass es keine vertragliche Regelung gibt und der Orden offensichtlich bewusst den falschen Eindruck erweckte, die Zukunft der Schule sei durch eine entsprechende Vereinbarung gesichert, nehmen die Antragsteller zutiefst enttäuscht zur Kenntnis«, schreiben die Elternvertreter. Nicht nur sie, sondern auch die Schülerinnen und Schüler, fühlten sich vom Orden hintergangen.

Von der Staatsanwaltschaft zeigen sich die Eltern ebenfalls enttäuscht. Diese sei dem Verdacht der Eltern, wonach Spenden des Schulwerks zweckwidrig verwendet wurden, nicht ausreichend nachgegangen. Leider sei es nicht zu einer Überprüfung der Buchhaltungen des Beschuldigten gekommen. Dies sei für Eltern und Anzeigenerstatter »verwunderlich«. Investor Soliman sieht dies anders: »Ich bedauere die Schulschließung zutiefst. Nach der Übernahme der Schulträgerschaft und der unvorhersehbaren Brandschutzproblematik habe ich alles versucht, um die Schule zu retten. Die Diffamierungsversuche Einzelner waren dabei sicher nicht förderlich. Deren Vorwürfe sind aus der Sicht aller Beteiligten und nun auch der Staatsanwaltschaft ausdrücklich widerlegt.«

Anmerkung der Redaktion: : In einer früheren Textfassung war die Schülerzahl nicht korrekt angegeben. Wir haben die Stelle korrigiert. Ursprünglich waren rund 500, in den letzten Monaten vor der Schulschließung wohl noch rund 400 Schülerinnen und Schüler an dem Nonnenwerth-Gymnasium.

fok
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