Nordrhein-Westfalen Im kältesten Klassenzimmer waren es minus 0,3 Grad

Lernen unter dem Gefrierpunkt: Im vergangenen Winter erlebten Schülerinnen und Schüler in Bochum Minustemperaturen in ihrem Klassenraum. Jetzt gab es dafür einen Antipreis der Landeselternschaft.
Kohlendioxid- und Temperaturmessung in der Bochumer Matthias-Claudius-Gesamtschule

Kohlendioxid- und Temperaturmessung in der Bochumer Matthias-Claudius-Gesamtschule

Foto: LEIS NRW / Privat

Eine Bochumer Gesamtschule erhält den Antipreis für die kälteste Klasse in Nordrhein-Westfalen – ausgelobt von der Landeselternschaft der integrierten Schulen in NRW (LEIS) als Protest gegen die Coronamaßnahmen des Schulministeriums. »Die Matthias-Claudius-Gesamtschule belegte bei dem Wettbewerb den ersten Platz, die Plätze zwei und drei gingen an die Gesamtschule Bockmühle in Essen und an die Kopernikusschule Lippstadt«, sagte Stephie Helder-Notzon, stellvertretende Vorsitzende der LEIS.

Die Elternschaft hatte fehlende Luftreiniger in den Klassen immer wieder kritisiert und der NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) Tatenlosigkeit in der Coronakrise vorgeworfen. Im vergangenen Winter riefen die Elternvertreter dann dazu auf, Fotos von Temperaturmessungen in Schulklassen einzureichen – als Protest gegen das Ministerium, dessen Schutzkonzept vor einer Ansteckung sich lange Zeit auf regelmäßiges Stoßlüften beschränkte.

»Eine unserer Schülerinnen hat daraufhin die Anzeige des Kohlendioxid-Testgeräts abfotografiert«, erzählt Holger Jeppel, Leiter der Matthias-Claudius-Schule. Die angezeigten minus 0,3 Grad seien aber »zum Glück« keine Dauertemperaturen in den Innenräumen gewesen, sondern dadurch entstanden, dass das Messgerät beim Stoßlüften unmittelbar am Fenster platziert wurde.

»Weder energetisch noch didaktisch besonders klug«

Dennoch sei der Protest der Jugendlichen aus seiner Sicht berechtigt, sagt Jeppel: »Alle 15 oder 20 Minuten das Fenster aufzureißen, ist weder energetisch noch didaktisch besonders klug.« Und Luftfilter gebe es trotz einer mittlerweile fast zweijährigen Debatte darüber zumindest an seiner Schule bisher nicht. Er habe ohnehin nicht den Eindruck, als seien Land und Schulen zwischenzeitlich besser auf den nächsten Coronaherbst vorbereitet als vor einem Jahr.

Auch nach Ansicht des Deutschen Lehrerverbands müssten mit Blick auf die Coronapandemie jetzt dringend Vorbereitungen für den Unterricht im Herbst getroffen werden. »Die Politik macht beim Thema Pandemie und Schule schon wieder ihre Hausaufgaben nicht«, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er forderte, alles dafür zu tun, dass die Schulen im Herbst nicht wieder geschlossen werden. »Die Schulen müssen aber zugleich spätestens jetzt so ausgestattet und vorbereitet werden, dass Distanzunterricht auf jeden Fall funktioniert«, sagte Meidinger.

Er monierte, dass es den Bundesländern an einer rechtlichen Grundlage für eine Maskenpflicht an Schulen fehle. Seiner Meinung nach könnten in einer möglichen Corona-Herbstwelle Masken »ein entscheidender Faktor« sein, um Schulen geöffnet zu halten. »Der Bund muss deshalb das Infektionsschutzgesetz schnell noch einmal anpassen«, forderte Meidinger.

him/dpa