Duisburg Busse fahren Schüler zum Impfzentrum – Streit über Kosten

Verärgerung in Duisburg: Das Land NRW hat es abgelehnt, die Kosten für Busfahrten zu übernehmen, mit denen Jugendliche zum Corona-Impfzentrum gebracht werden. Die Begründung ist bemerkenswert.
Impfung einer Schülerin (Archivbild)

Impfung einer Schülerin (Archivbild)

Foto: Sina Schuldt / dpa

Um möglichst viele Schülerinnen und Schüler gegen das Coronavirus impfen zu lassen, bietet die Stadt Duisburg seit vergangenem Montag einen Shuttlebusverkehr für Impfwillige von den Schulen zum Impfzentrum an. 27.000 Euro kostet der Transfer der Schülerinnen und Schüler – doch das Land Nordrhein-Westfalen will die Kosten nicht übernehmen.

Dabei gehe es aber nicht ums Geld, erklärte ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums. Er betonte, dass solche Transferkosten – anders als die Aufwendungen für Impfungen vor Ort an den Schulen – generell nicht übernommen würden. Der Grund: Man wolle keinen unnötigen Druck auf Schülerinnen und Schüler ausüben, die sich nicht impfen lassen wollten.

»Die Entscheidung für eine Impfung ist eine sehr persönliche und beruht auf Freiwilligkeit. Den hierfür erforderlichen vertraulichen Rahmen sehen wir durch den Einsatz von Shuttlebussen nicht gewährleistet«, so der Sprecher. »Diese Situation könnte, vor allem angesichts des Alters, Druck auf die Kinder und Jugendlichen ausüben, den es zu vermeiden gilt.«

»Weit von der Realität entfernt«

Daher habe sich das Ministerium entschieden, »konzertierte Fahrangebote« nicht zu erstatten. Impfangebote an den Schulen befürworte das Ministerium aber ausdrücklich.

Beim Duisburger Stadtdirektor und Krisenstabsleiter Martin Murrack sorgt das für Unmut. »Dass das Land NRW keine finanziellen Gründe anführt, sondern die Freiwilligkeit der Impfung infrage stellt, ist ehrlich gesagt ein Beleg dafür, dass man sich dort weit von der Realität vor Ort entfernt hat«, kritisierte Murrack am Mittwoch gegenüber der dpa.

Zuvor hatte die »WAZ«  über den Streit berichtet. Demnach gebe es in Duisburg 55 weiterführende Schulen mit rund 52.000 Kindern und Jugendlichen über zwölf Jahre. Die zentrale Immunisierung im Impfzentrum sei effektiver als der Einsatz von mobilen Impfteams an den einzelnen Schulen, so ein Feuerwehrsprecher.

Stadtdirektor findet NRW-Argumente »lächerlich«

Martin Murrack findet es »lächerlich«, dass das Land die vergleichsweise geringen Kosten von rund 27.000 Euro nicht übernehme. Das Infektionsgeschehen an den Schulen sei so turbulent wie zu keiner Phase der Pandemie, so Murrack. Es gebe »eindeutig Bedarf für praktikable Impfangebote«. Zur Impfung benötigte man die Zustimmungserklärung der Eltern, zudem gebe es eine Impfberatung vor Ort durch Kinderärzte.

»Viele Eltern haben einfach nicht die Zeit oder die Möglichkeit, ihre Kinder zum Impfen zu bringen, und die Städte schaffen es logistisch nicht, allen Schulen ein Impfangebot vor Ort zu machen«, sagte der Duisburger Stadtdirektor. Daher seien Bus-Shuttles der »effektivste Weg«, um allen Schülerinnen und Schülern ein Impfangebot machen zu können.

Die Busse seien alle voll, und Murrack versichert: »Wir zwingen keinen dazu, in den Bus zu steigen und sich impfen zu lassen, freuen uns aber über jede und jeden, der sich freiwillig impfen lässt – und dafür machen wir gerne Angebote.«

him/dpa
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