Nordrhein-Westfalen Lehrkräfte aus Risikogruppen müssen Attest vorlegen

Lehrerinnen und Lehrer, die einer Risikogruppe angehören, müssen in NRW grundsätzlich wieder in den Unterricht kommen - es sei denn, sie legen ein ärztliches Attest vor. Die Regelung gilt ab dem 3. Juni.
Lehrer an einer Hauptschule in Nordrhein-Westfalen (Archivbild)

Lehrer an einer Hauptschule in Nordrhein-Westfalen (Archivbild)

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

Lehrerinnen oder Lehrer in Nordrhein-Westfalen können sich nicht mehr formlos durch die Berufung etwa auf ihr Alter vom Präsenzunterricht befreien lassen. Bisher war das wegen der Coronakrise möglich.

In einem neuen Erlass des NRW-Schulministeriums, der dem SPIEGEL vorliegt, wird nun die Vorlage eines ärztlichen Attests vorgeschrieben. Die Regelung gilt ab dem 3. Juni bis zum Ende des Schuljahrs Ende Juni.

Betroffen sind alle Landesbediensteten, die an Schulen eingesetzt werden. Lediglich schwangere und stillende Lehrerinnen können sich auch ohne Attest vom Präsenzunterricht befreien lassen, müssen allerdings bei mündlichen Prüfungen mitwirken.

Keine generellen Risikogruppen mehr

"Die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten von Alter, Vorerkrankungen, einem unterdrückten Immunsystem oder sonstigen Risiko-erhöhenden Faktoren führen zu einer hochkomplexen Risikoeinschätzung, die Generalisierungen und abstrakte Zuordnungen zu sogenannten Risikogruppen als ungeeignet erscheinen lässt", heißt es in dem Erlass.

Staatssekretär Mathias Richter begründete die geänderten Regelungen mit dem Verweis auf eine neue Empfehlung des Robert Koch-Instituts . An die Stelle einer generellen Zuordnung zu einer Risikogruppe durch Altersgrenzen oder Vorerkrankungen trete jetzt eine Einzelfallprüfung. Der Gesundheitsschutz der Landesbediensteten habe weiterhin höchste Priorität.

In den vergangenen Wochen hatte es über den Kurs des NRW-Schulministeriums in der Coronakrise mehrfach Irritationen gegeben. So hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) noch Ende April verneint, dass der Einsatz von Lehrkräften aus Risikogruppen im Präsenzunterricht geplant sei. Kurz danach wurde bekannt, dass damit nicht die mündlichen Abiturprüfungen gemeint waren, was Stefan Behlau, Landesvorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), als "unverständlich und unverantwortlich" kritisierte.

Auf SPIEGEL-Anfrage teilte das Ministerium am Montagabend mit, dass sich landesweit - Stand: 19. Mai 2020 - fünf Lehrerinnen und Lehrer mit dem Coronavirus infiziert hätten. Außerdem gebe es 55 bestätigte Fälle bei Schülerinnen und Schülern. Zuletzt waren vier Jugendliche und zwei Lehrkräfte an einer Hauptschule in Münster positiv auf das Virus getestet worden, was zu einer Reihentestung nahezu der gesamten Schulgemeinde geführt hatte.

him