Abschlussarbeit muss wiederholt werden Ex-Schüler soll Prüfungsaufgaben gestohlen und verteilt haben

Bei den Korrekturen fielen Formulierungen auf: An einer Oberschule in Vechta soll ein Ex-Schüler an Prüfungsaufgaben gelangt sein. Offenbar verfügte er über Zugangsdaten eines Lehreraccounts für das interne Kommunikationssystem.
Abschlussprüfung an einer Schule (Symbolbild)

Abschlussprüfung an einer Schule (Symbolbild)

Foto: Christoph Schmidt/ dpa

Ein ehemaliger Schüler einer Oberschule in Vechta soll Prüfungsaufgaben gestohlen und gezielt an Schülerinnen und Schüler verteilt haben. Das bestätigte das Kultusministerium in Hannover dem SPIEGEL. Der neunte Hauptschuljahrgang müsse die schriftliche Abschlussarbeit im Fach Deutsch wiederholen, weil Prüfungsaufgaben für den Grundkurs im Vorfeld bekannt geworden seien, teilte das Ministerium mit. Zuerst hatten die »Oldenburgische Volkszeitung« und die »Münsterländische Tageszeitung« berichtet .

Der ehemalige Schüler soll den Zeitungen zufolge unrechtmäßig über Zugangsdaten eines Lehreraccounts im internen Kommunikationssystem der Schule verfügt haben. So sei er in den Besitz der Prüfungsaufgaben gelangt. Auch die Aufgaben der Mathe- und Englischprüfungen seien im Umlauf gewesen. In den drei Fächern wurde beziehungsweise wird demnach auf bislang unveröffentlichte Nachschreibarbeiten zurückgegriffen. Nach Angaben des Ministeriums sei ein rechtliches Verfahren gegen den früheren Schüler nicht auszuschließen.

Keine landesweiten Auswirkungen

Bei den Korrekturen der Deutscharbeiten seien noch am Tag der Prüfung am vergangenen Freitag Formulierungen aufgefallen. Die Schulleitung habe die Untersuchungen aufgenommen. Demnach soll auch eine Schülerin aus dem zehnten Jahrgang einer anderen Oberschule vorab über die Aufgabenstellung der Abschlussarbeiten Deutsch, Mathematik und Englisch Jahrgang zehn verfügt haben. Diese Schülerin müsse die Klausuren ebenfalls nachschreiben. Laut Ministerium gilt es aber als ausgeschlossen, dass die Prüfungsinhalte darüber hinaus an Schülerinnen und Schüler anderer Schulen weitergegeben wurden. Coronabedingt seien die Prüfungen dezentral, sagte ein Ministeriumssprecher.

»Der Vorgang ist ärgerlich für die betroffenen Schulen und Prüflinge. Landesweite Auswirkungen hat der Vorfall aber nicht«, sagte ein Sprecher des Ministeriums. »Jedem muss klar sein, dass es kriminell ist, Prüfungen zu entwenden und weiterzugeben.«

sun/dpa