Ohne Ditib und Co. In Osnabrück beginnt Lehrgang für islamische Prediger auf Deutsch

Islamische Geistliche aus dem Ausland sollten Deutschkenntnisse haben, forderten vor allem Unionspolitiker immer wieder. Nun soll in Osnabrück ein Lehrgang in deutscher Sprache starten - unabhängig von Verbänden.
Moschee: Islamische Prediger werden künftig in Lehrgang in deutscher Sprache ausgebildet (Symbolbild)

Moschee: Islamische Prediger werden künftig in Lehrgang in deutscher Sprache ausgebildet (Symbolbild)

Foto: Carsten Rehder/ picture-alliance/ dpa

Mit bis zu 30 Teilnehmern soll im kommenden April in Osnabrück der erste verbandsunabhängige Lehrgang für islamische Prediger  in deutscher Sprache beginnen. Gefördert wird die zweijährige Ausbildung am Islamkolleg Deutschland vom Bundesinnenministerium und dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium.

Mit dem Islamkolleg wolle man ein zusätzliches Angebot schaffen, weil Imame aus dem Ausland in ihren Predigten oft "Themen, die für unseren Lebenskontext keine Relevanz haben" behandelten, sagte der Vorsitzende des Trägervereins, Esnaf Begic. Auch könnten Nachkommen muslimischer Einwanderer eine Predigt in der Herkunftssprache der Eltern oft sprachlich nicht hundertprozentig verstehen.

Eine staatliche Beeinflussung der Lehrinhalte aus dem In- oder Ausland werde es bei dem Lehrgang nicht geben, betonte der wissenschaftliche Direktor des Vereins, Bülent Uçar. Bewerben könnten sich Interessenten mit einem Bachelor in Islamischer Theologie sowie Prediger mit praktischer Berufserfahrung.

Die Ditib macht nicht mit

Forderungen nach Deutschkenntnissen vor allem bei islamischen Geistlichen aus dem Ausland hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Schon vor rund zwei Jahren sprach sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dafür aus, dass Deutschland mehr islamische Prediger selbst ausbilden sollte. Innenminister Horst Seehofer (CSU) forderte Ende 2018 von den islamischen Gemeinden in Deutschland, sich schrittweise von ausländischen Geldgebern freizumachen und auch die Ausbildung von Predigern weitgehend selbst zu stemmen.

Hinter dem Projekt in Osnabrück stehen nun unter anderem der Zentralrat der Muslime in Deutschland, die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken und der Zentralrat der Marokkaner. Mehrere große Dachverbände haben sich dagegen nicht angeschlossen. Dazu zählt etwa die türkische Ditib, die größte Islam-Organisation in Deutschland.

Die Ditib war in den vergangenen Jahren vor allem wegen ihrer Nähe zu türkischen Regierung und Abhängigkeit von der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet in die Kritik geraten. Die Diyanet entsendet für die mehr als 900 Ditib-Moscheegemeinden Imame nach Deutschland. 2017 stand die Ditib unter Verdacht, in eine mutmaßliche Spitzelaffäre verstrickt zu sein. Die Ermittlungen wurden später eingestellt, die Organisation verkündete einen Neuanfang. In diesem Jahr setzte die Ditib auch eine Imam-Ausbildung in Deutschland auf.

Dass die großen Verbände wie Ditib bei dem neuen Ausbildungsgang nicht dabei sind, findet Uçar "bedauerlich". Das Islamkolleg biete neben der Ausbildung aber Fortbildungsveranstaltungen an, an denen auch Prediger dieser Verbände teilnehmen könnten.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Benjamin Strasser sagte, den Vertretern der anderen Islam-Verbände "kann man nur raten, dieses neue Angebot anzunehmen und zu unterstützen, denn die unabhängige Imam-Ausbildung kann langfristig Vertrauen und Glaubwürdigkeit stärken."

Wie viel Geld das Projekt vom Bundesinnenministerium erhalten wird, steht nach Angaben eines Sprechers erst zum Ende des Haushaltsjahres fest. Zur Verfügung stünden pro Jahr rund eine Million Euro.

fok/dpa
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