Personalnot an Schulen Berlin verbeamtet seine Lehrerinnen und Lehrer erstmals wieder

Es herrscht ein Wettstreit um pädagogisches Personal: Um darin zu punkten, geht Berlin wieder dazu über, seine Lehrerinnen und Lehrer zu verbeamten. Schon heute sollen Hunderte Ernennungsurkunden verliehen werden.
Lehrer in Berlin im Unterricht

Lehrer in Berlin im Unterricht

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Britta Pedersen/ picture alliance / dpa

Lehrerinnen und Lehrer sind in Deutschland rar, umso größer ist das Gerangel der Bundesländer um gut ausgebildetes Personal. Berlin führt mit dieser Begründung erstmals nach fast zwei Jahrzehnten die Verbeamtung seiner Lehrkräfte wieder ein. Man korrigiere damit einen »großen Wettbewerbsnachteil«, heißt es in einer Mitteilung der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

In einem ersten Schritt sollen den Angaben zufolge rund 220 Lehrerinnen und Lehrer den Beamtenstatus erhalten. Etliche von ihnen werden an diesem Donnerstag zu einem Festakt in Berlin-Kreuzberg erwartet. Hier wollen Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) und Bildungsstaatssekretär Alexander Slotty die Ernennungsurkunden überreichen.

Die rot-rot-grüne Regierung hatte die Rückkehr zur Verbeamtung von Lehrkräften bereits im Koalitionsvertrag als Ziel festgehalten. Sie war 2004 abgeschafft worden. Andere Bundesländer wie Thüringen und Brandenburg hatten ihre Lehrkräfte ebenfalls lange Zeit nicht verbeamtet, sondern als Tarifbeschäftigte angestellt, diese Regelung inzwischen aber aufgehoben.

GEW: »Es knirschte an vielen Stellen«

Berlin hatte als einziges Bundesland bis zuletzt am Angestelltenverhältnis festgehalten. Kritiker dieser Regelung mahnten, dies sorge dafür, dass ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer in andere Bundesländer abwanderten. Ob dieser Punkt tatsächlich ausschlaggebend für die Personalnot an Schulen ist, ist jedoch umstritten. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt etwa, die Arbeitsbedingungen an den Schulen in der Hauptstadt müssten sich grundsätzlich verbessern. Sie warf dem Senat zudem vor, viele Fragen rund um die Verbeamtung von Lehrkräften in Berlin seien noch offen.

»Nach wie vor gibt es keine Klarheit darüber, nach welchen Kriterien die Verbeamtung der circa 20.000 angestellten Lehrkräfte erfolgen soll«, kritisierte GEW-Vorstandsmitglied Udo Mertens am Donnerstag. Auch sei nicht klar, wie die Nachteile für Lehrkräfte, die nicht verbeamtet werden könnten oder wollten, ausgeglichen werden sollen.

Berlins GEW-Vorsitzende Martina Regulin sagte, die aktuelle Einstellungsrunde habe gezeigt, dass die Verfahren in der Senatsverwaltung und der Personalstelle verbessert und mit mehr zeitlichem Vorlauf geplant werden müssten. »Es knirschte an vielen Stellen«, sagte Regulin. Die GEW kritisierte außerdem, Berlin bilde nach wie vor zu wenig Lehrkräfte aus. Nötig sei eine Ausbildungsoffensive sowie ein Plan zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen an den Schulen.

fok
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