Planungen fürs nächste Schuljahr Lehrergewerkschaften kritisieren KMK scharf

Die Kultusminister empfehlen uneingeschränkten Regelunterricht nach den Sommerferien. Eine Lehrergewerkschaft reagiert mit Hohn.
Fenster auf, Unterricht: Im nächsten Schuljahr soll nach dem Willen der Kultusministerinnen und -minister regulär unterrichtet werden

Fenster auf, Unterricht: Im nächsten Schuljahr soll nach dem Willen der Kultusministerinnen und -minister regulär unterrichtet werden

Foto: Christoph Schmidt / dpa

Das Versprechen der Kultusministerkonferenz (KMK), im kommenden Schuljahr zum »uneingeschränkten Regelbetrieb« an den Schulen zurückzukehren, sorgt für Diskussionen. »Es ist schwer vorstellbar, dass sich das Infektionsgeschehen davon beeindrucken lässt, dass die KMK die Pandemie anscheinend für beendet erklärt«, lästerte Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE).

Die Ministerinnen und Minister hatten vereinbart, »dass alle Schulen mit Beginn des neuen Schuljahrs 2021/22 dauerhaft im Regelbetrieb besucht werden«. Das bedeute, dass der Unterricht »ohne weitere Einschränkungen« erteilt werden könne. Der Präsenzunterricht sei außerdem unabhängig vom Impfstatus der Kinder und Jugendlichen.

»Schulischen Regelbetrieb zu verordnen, birgt vor allem mit dem Blick auf den Herbst ein Risiko«, hält VBE-Chef Beckmann dagegen. Denn die KMK gebe keine Antwort auf die Frage, wie sich die Länder und die Schulen auf die Situation vorbereiten, wenn die Inzidenzen im Herbst doch wieder steigen sollten. »Anstatt jetzt schon langfristige, alternative Szenarien zu besprechen, wird die Möglichkeit einer vierten Welle einfach ignoriert«, sagt Beckmann. Er forderte erneut die schnellstmögliche Anschaffung von Luftfiltergeräten für alle Klassenzimmer.

Auch die neue Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, verlangte schnelle Maßnahmen bei der Ausstattung der Schulen. »Wichtig ist, dass die Bundesländer jetzt die Phase bis zum kommenden Schuljahr nutzen, um in den Schulen zu investieren«, sagte Finnern. Es gehe nicht nur um Luftfiltergeräte, sondern auch darum, dass Fenster sich öffnen lassen, Heizungen funktionieren und es in jedem Raum ein Waschbecken gibt. »Das ist eine dringende Aufgabe, damit es im kommenden Winter einen verlässlicheren Betrieb gibt.«

Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte nach der KMK-Sitzung am Freitag: »Das neue Schuljahr wird noch immer kein Schuljahr sein, wie wir es vor Corona kannten.« Deshalb sei das milliardenschwere Programm von Bund und Ländern zur Schließung von Lernlücken so wichtig. SPD-Bildungssenator Ties Rabe aus Hamburg schätzte die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit erheblichen Lernlücken auf rund 25 Prozent – das wären bundesweit rund 2,7 Millionen Kinder und Jugendliche. Bildungsforscher waren im SPIEGEL zuvor von deutlich weniger bedürftigen Kindern ausgegangen – und bereits bei den niedrigeren Zahlen zu dem Schluss gekommen, dass die geplante Finanzierung für das Aufholprogramm nicht ausreiche .

Die KMK beschloss außerdem, dass der gemeinsame Aufgabenpool für die Abiturprüfungen in Zukunft auch die naturwissenschaftlichen Fächer abdecken soll. Die Aufgaben würden ab 2025 zur Verfügung stehen, kündigte KMK-Präsidentin Britta Ernst (SPD) an.

Gemeinsam mit dem Zentralrat der Juden in Deutschland sowie den Antisemitismusbeauftragten von Bund und Ländern vereinbarte die KMK darüber hinaus eine Erklärung zum Umgang mit Antisemitismus in der Schule (den Wortlaut der Erklärung finden Sie hier ). Lehrkräfte sollen für das Thema sensibilisiert und qualifiziert werden, um bei judenfeindlichen Äußerungen oder Taten schnell und gezielt einschreiten zu können.

him/dpa
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