Prekäre Lage von Studierenden »Das Wasser bis zum Hals«

Für viele Studierende ist die Finanzierung ihrer Hochschulausbildung nicht mehr gesichert. Das Deutsche Studierendenwerk erhöht jetzt den Druck auf die Bundesregierung und fordert schnelle Hilfen.
Studierende an der Universität Leipzig (Symbolbild)

Studierende an der Universität Leipzig (Symbolbild)

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Armin Himmelrath / DER SPIEGEL

Das Deutsche Studierendenwerk (DSW) verschärft den Ton in der Debatte über die soziale Lage der Studierenden. »Ein sattes Plus bei den Bafög-Bedarfssätzen und -Freibeträgen« verlangt DSW-Vorstandsvorsitzender Matthias Anbuhl von Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP): »2023 muss das Jahr der Bafög-Reform werden.«

Die Situation für Studentinnen und Studenten spitze sich immer mehr zu, sagte Anbuhl dem SPIEGEL. Die angekündigte Einmalzahlung von 200 Euro pro Person – von der Ministerin für Anfang des Jahres versprochen – sei immer noch nicht in Sicht: »Den Studierenden steht das Wasser bis zum Hals.« Lebensmittel seien im Vergleich zum Vorjahr mehr als 20 Prozent teurer geworden, »die Mieten für WG-Zimmer gehen durch die Decke.«

Nach Daten aus der jüngsten Sozialerhebung des DSW haben rund 28 Prozent der Studierenden nur 700 Euro oder weniger pro Monat zur Verfügung. »Wie sollen sie die grassierende Inflation stemmen?«, fragt Anbuhl und verweist auf andere Sozialleistungen. Schon 2021 hatten nach Daten des Statistischen Bundesamts fast 38 Prozent der Studierenden mit ihrem Monatseinkommen unter der statistischen Armutsgrenze gelegen.

So liege der Grundbedarf beim Bürgergeld bei 502 Euro, das sei für die Bundesregierung offensichtlich das Existenzminimum: »Bafög-Studierende bekommen 50 Euro weniger, die Wohnkostenpauschale liegt für sie bei 360 Euro.« Unterhaltspflichtige Eltern dagegen müssten laut Düsseldorfer Tabelle 410 Euro für die Wohnung an ihre Kinder zahlen, ärgert sich Anbuhl: »Da muss das Bafög endlich nachziehen.«

Und der DSW-Chef zieht noch eine andere Parallele. »Wohngeld, Bürgergeld, Abgeordnetendiäten – alle Leistungen werden automatisch an die Inflation angepasst«, sagt Anbuhl: »Nur beim Bafög steht das im Belieben der Bundesregierung.«

him
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