Psychische Erkrankungen in der Coronapandemie Jugendliche und junge Erwachsene leiden am stärksten

Junge Menschen erkranken Studien zufolge in der Pandemie überdurchschnittlich häufig an Depressionen oder Angststörungen. Einsamkeit gilt als besonderer Risikofaktor.
Junge Menschen erkranken in der Coronapandemie häufiger an Depressionen als der Rest der Bevölkerung (Symbolbild)

Junge Menschen erkranken in der Coronapandemie häufiger an Depressionen als der Rest der Bevölkerung (Symbolbild)

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Jugendliche und junge Erwachsene leiden in der Coronapandemie besonders stark an Depressionen und Angststörungen. Sie sind bis zu 80 Prozent häufiger betroffen als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Das geht aus zwei Studien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, die an diesem Donnerstag vorgestellt wurden.

Die OECD-Analystinnen und -Analysten verglichen dafür Daten aus 15 Ländern. Sie maßen die Verbreitung von Depressionen und Angststörungen vor und während der Coronapandemie unter jungen Menschen zwischen 15 und 24 Jahren.

In Belgien, Frankreich und den USA lag der Anteil der jungen Menschen, die Symptome von Angststörungen oder Depressionen aufwiesen, im März 2021 mehr als doppelt so hoch wie vor Beginn der Pandemie. Junge Frauen sind demnach häufiger betroffen als junge Männer.

Einsamkeit ist ein Risikofaktor

Wer vor der Coronakrise schon Probleme mit der psychischen Gesundheit hatte, sei besonders gefährdet, schreiben die OECD-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftler. Gleiches gelte für junge Menschen mit Suchterfahrungen oder aus sozial benachteiligten Familien.

»Einsamkeit, ein substanzieller Risikofaktor für psychische Erkrankungen, ist eine besondere Bürde für junge Menschen«, heißt es in dem Bericht. Die Coronapandemie habe hier einen sehr negativen Einfluss gehabt. In den europäischen Ländern, die die Forscherinnen und Forscher betrachteten, gab ein knappes Drittel der befragten jungen Menschen an, sich »immer«, »überwiegend« oder »mehr als die Hälfte der Zeit« einsam zu fühlen. In den USA traf dies sogar auf mehr als 60 Prozent zu.

Ausgangssperren und Zukunftsangst

Stabile soziale Bindungen, regelmäßige Bewegung und finanzielle Sicherheit wirken sich in der Regel positiv auf die psychische Gesundheit aus. In der Pandemie seien aber genau diese Faktoren häufig eingeschränkt worden, schreiben die Wissenschaftler. In vielen Ländern galten strenge Ausgangssperren, gerade junge Menschen hätten ihre Jobs verloren und seien mit Zukunftsängsten konfrontiert.

Deshalb, so fordern die Forscherinnen und Forscher, sollten Hilfseinrichtungen ihren Fokus verstärkt auf junge Menschen richten – auch weil ihnen Beratungsstellen in Schulen und Universitäten in Zeiten des Lockdowns nicht zur Verfügung stünden.

olb/AFP

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