Nach Rassismus-Vorwürfen Schulbuchverlag verzichtet auf "Indianer"-Bezüge

Der Klett-Verlag überarbeitet eine Serie von "Indianer"-Übungsheften. Eltern hatten sich über die rassistischen Stereotype beschwert. Nun soll es keinen Bezug mehr zur indigenen Bevölkerung geben.
Grundschulkinder (Symbolbild)

Grundschulkinder (Symbolbild)

Foto: Frank Molter/ picture alliance/dpa

Eltern von Schülern einer Hamburger Grundschule waren über den Titel einer Übungsheftreihe gestolpert: "Mein Indianerheft" stand darauf. Das sei rassistisch und nicht mehr zeitgemäß, kritisierten die Eltern.

Nun will der Ernst Klett Verlag die Reihe in der bisherigen Form einstellen. Die Übungshefte sollen visuell anpasst werden, künftig werde auf jegliche Bezüge zur indigenen Bevölkerung verzichtet, teilte der Verlag mit . Zuerst hatte das "Hamburger Abendblatt " darüber berichtet.

"Wir teilen die Ansicht, dass sich Schülerinnen und Schüler heute kritisch mit den Themen (Post-)Kolonialismus, Rassismus, Diversität und Migration auseinandersetzen müssen", heißt es in der Stellungnahme des Verlags. Dazu gehöre auch die Ausbildung eines Bewusstseins für historische (Sprach-)Bilder, die auf kolonialen Weltbildern basieren.

Dem Schulbuchverlag sei es wichtig, dass die Klett-Materialien "die Vielfalt gesellschaftlicher Lebensformen und Entwicklungen diskriminierungsfrei und vorurteilsfrei präsentieren und dazu beitragen, dass tolerantes Denken und Verhalten entstehen beziehungsweise gefestigt werden können".

Neue Hefte in Vorbereitung

Der Verlag betonte in seiner Erklärung, er habe bereits vor längerer Zeit den Namen der Bücher geändert und die Übungshefte in "Meine Anoki-Übungshefte" umbenannt. Anoki heißt der kleine Junge, der durch die Hefte führt.

Im nächsten Schritt erfolge nun die visuelle Anpassung der Hefte. Der komplette Relaunch werde ab Januar 2021 mit den Neuerscheinungen sichtbar sein und schrittweise auch im Nachdruck bei den älteren Ausgaben sowie bei den Apps umgesetzt.

An einigen Schulen werden allerdings noch Restbestände benutzt.

Immer wieder gibt es Diskussionen um offensichtlichen oder unterschwelligen Rassismus in Kinder- und Schulbüchern. Zuletzt sorgte "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" von Michael Ende für Wirbel.

him/dpa
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