Vorwürfe gegen Münchner Elite-Uni Taxifahrten für 64.000 Euro

Die Ludwig-Maximilians-Universität in München soll Geld verprasst haben - für Feiern, Reisen und interne Tagungen in Venedig, sagt der Oberste Bayerische Rechnungshof. Die Uni weist jede Schuld von sich.
Schwere Vorwürfe erhebt der Rechnungshof im Hinblick auf den Umgang mit öffentlichen Geldern an der Elite-Uni LMU

Schwere Vorwürfe erhebt der Rechnungshof im Hinblick auf den Umgang mit öffentlichen Geldern an der Elite-Uni LMU

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Andreas Gebert/ DPA

Die Vorwürfe wiegen schwer, und sie passen so gar nicht zum Elite-Image der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU): An der Hochschule sollen in erheblichem Umfang öffentliche Gelder verschwendet worden sein. Den Vorwurf erhebt der Bayerische Oberste Rechnungshof (ORH): Es geht um abgerechnete Taxikosten in Höhe von 64.000 Euro und Tausende Euro für eine Fortbildung in Venedig.

In einem bislang unveröffentlichten Prüfungsbericht, über den zuerst die "Süddeutsche Zeitung" berichtet hatte, werden teure Taxifahrten, Bewirtungskosten in teuren Restaurants und eine Abschiedsfeier für einen Dekan mit touristischem Programm für 12.000 Euro aufgelistet, wie der ORH am Donnerstag bestätigte.

Laut Rechnungshof ließ sich ein einziger Beschäftigter insgesamt 64.000 Euro erstatten - für Fahrten mit dem Taxi vom Dienstort nach Hause. Außerdem ließ sich eine Fakultät von 2001 bis 2017 insgesamt 21.000 Euro Bewirtungskosten erstatten - für Mittagessen in zum Teil gehobenen Restaurants.

Zwei Tagungen in Venedig

Gleich zwei interne Veranstaltungen der Münchner Universität wurden nach ORH-Angaben in Venedig abgehalten. Für eine "interne Strategietagung" fielen insgesamt rund 15.000 Euro Reisekosten an, für eine Fortbildung zum Thema Projektmanagement sogar mehr als 17.000 Euro. Dass die beiden internen Veranstaltungen in Venedig abgehalten wurden, begründete die Uni mit dem Fehlen eines eigenen Tagungszentrums.

Die Universität wies die Vorwürfe des Rechnungshofs zurück und betonte, sie sehe weder "straf- noch dienstrechtlichen Handlungsbedarf" gegen einzelne Mitarbeiter. "Auch von Verschwendung kann hier keine Rede sein, ganz im Gegenteil: Die LMU geht sorgsam mit öffentlichen Geldern um, und in den Fakultäten wird unter schwierigen Rahmenbedingungen Hervorragendes geleistet, wie gerade das abgelaufene Sommersemester wieder gezeigt hat."

Aus der Stellungnahme der LMU  geht hervor, dass es sich bei den Mitarbeitern offenbar um Vizepräsidenten der Universität handelt. "Selbstverständlich genießen die Vizepräsidenten weiter das Vertrauen des Präsidenten und der Universität", heißt es in der Erklärung: "Die große Unterstützung für die Vizepräsidenten kann man auch daran erkennen, dass sie erst kürzlich, im Juli 2019, also schon nach Bekanntwerden der Vorwürfe, mit großer Mehrheit gewählt wurden."

In einer weiteren Erklärung  verweist die Universität darauf, dass Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen einen der LMU-Vizepräsidenten wegen des Verdachts der Untreue gegen eine Zahlung von 1500 Euro eingestellt wurden. Ein Schuldeingeständnis sei damit nicht verbunden.

Die LMU hatte sich mehrfach erfolgreich am Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder beteiligt und auch in der aktuellen Wettbewerbsrunde den Zuschlag für eine millionenschwere dauerhafte Förderung als Exzellenzuniversität erhalten.

him/dpa
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