Ganztagsbetreuung für Grundschüler Bundestag beschließt Rechtsanspruch ab 2026

Kinder, die ab dem Jahr 2026 eingeschult werden, sollen laut Bundestag täglich acht Stunden Betreuung in Anspruch nehmen können – auch in den Ferien. Nun muss noch der Bundesrat zustimmen.
Grundschülerinnen und Grundschüler können ab 2026 bis zu acht Stunden täglich betreut werden

Grundschülerinnen und Grundschüler können ab 2026 bis zu acht Stunden täglich betreut werden

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance/ dpa

Kinder, die ab dem Schuljahr 2025/2026 in Deutschland eingeschult werden, sollen in den ersten vier Schuljahren einen Rechtsanspruch auf eine ganztägige Betreuung bekommen. Konkret soll es einen Anspruch auf mindestens acht Stunden Betreuung geben, auch in den Sommerferien. Der Bundestag hat ein diesem Freitag eine entsprechende Neuregelung beschlossen. Für das Gesetz stimmten Union, SPD und Grüne, die anderen Fraktionen enthielten sich.

»Das ist ein wichtiges Signal an die Kinder und Familien in unserem Land, die gerade in den letzten Monaten großen Belastungen ausgesetzt waren«, sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nach der Entscheidung. Ganztag bedeute mehr Bildung für Kinder – und für viele auch mehr Chancengerechtigkeit.

Widerstand in den Ländern

Die Neuregelung muss noch den Bundesrat passieren, um in Kraft treten zu können. Nach dem Willen der GroKo soll sie noch vor der Sommerpause die Länderkammer passieren. Die nächste Sitzung findet am 25. Juni statt. In vielen Bundesländern müssen zusätzliche Plätze geschaffen werden. Insbesondere im Osten sind aber vielerorts genügend Kapazitäten vorhanden.

Bund beteiligt sich stärker an den Kosten

Um den Ländern entgegenzukommen, wurde zuletzt vereinbart, dass die Länder Fördermittel für den Ausbau von Betreuungseinrichtungen ein Jahr länger als ursprünglich geplant beantragen können.

Die Bundesmittel für den Infrastrukturausbau wurden dazu um 1,5 Milliarden Euro auf nun bis zu 3,5 Milliarden Euro erhöht. »Das ist sehr viel Geld«, sagte Bildungsministerin Karliczek. Der Bund sei darüber hinaus bereit, sich dauerhaft an den laufenden Kosten zu beteiligen, perspektivisch mit 960 Millionen Euro pro Jahr.

Kinderhilfswerk fordert Qualitätsstandards

Das Deutsche Kinderhilfswerk hat Bund und Länder aufgefordert, die Qualität der Betreuung im Blick zu behalten. »Qualitätsstandards müssen sicherstellen, dass die Ganztagsbetreuung nicht in mittelmäßigen Verwahranstalten am Nachmittag endet«, erklärte der Bundesgeschäftsführer des Kinderhilfswerks, Holger Hofmann.

Bei der Erarbeitung von Ganztagskonzepten sei es wichtig, nicht nur Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sowie die Eltern einzubeziehen, »sondern vor allem die Rechte und Interessen der Schülerinnen und Schüler ausreichend zu berücksichtigen«, mahnte Hofmann. Es brauche »klare, deutschlandweit einheitliche Rahmenvorgaben durch den Bund«, um die Qualität nachhaltig sicherzustellen.

olb/AFP
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