Wissenschaftskooperation Deutscher Hochschuldienst DAAD schränkt Austausch mit Russland ein

Mit einem Staat, der einen Angriffskrieg führe, könne es keine normalen Beziehungen geben: Der DAAD stoppt alle Russland-Stipendien und fordert von deutschen Hochschulen, geförderte Projekte auszusetzen.
Universität in Moskau (Archiv): Die vom DAAD geförderten deutsch-russischen Austauschbeziehungen werden eingeschränkt

Universität in Moskau (Archiv): Die vom DAAD geförderten deutsch-russischen Austauschbeziehungen werden eingeschränkt

Foto: Alexander Nemenov / AFP

Angesichts des russischen Einmarschs in die Ukraine schränkt der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) den wissenschaftlichen Austausch mit Russland ein. »Mit einem Staat, der mitten in Europa einen Angriffskrieg gegen sein Nachbarland führt, kann es keine normalen Beziehungen geben, auch nicht in der Außenwissenschaftspolitik«, erklärte DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee am Freitag. Der Dienst schränke »die vom DAAD geförderten deutsch-russischen Austauschbeziehungen daher gegenwärtig ein«.

Die Bewerbungsmöglichkeiten für Russland-Stipendien würden gestoppt und alle Auswahlen für DAAD-Stipendien nach Russland abgesagt, erklärte der Präsident weiter. Auch bereits ausgewählte deutsche Stipendiatinnen und Stipendiaten könnten für einen geplanten Aufenthalt in Russland derzeit keine finanzielle Unterstützung erhalten.

Zur Isolation Russlands beitragen

Von den deutschen Hochschulen erwarte der DAAD, »alle von ihm geförderten Projektaktivitäten mit Partnerinstitutionen in Russland und Belarus auszusetzen«. Der DAAD kündigte außerdem an, dass die nun getroffenen Maßnahmen »in Abstimmung mit der Bundesregierung und nach Erörterung mit der Hochschulrektorenkonferenz und den deutschen Hochschulen« in den kommenden Tagen und Wochen weiter angepasst werden könnten. »Auch die Außenwissenschaftspolitik muss sich fragen, welchen Beitrag sie zur Gesamtstrategie der Bundesregierung und der Europäischen Union zur Isolierung Russlands leisten kann«, erklärte Mukherjee.

Die Einschränkungen seien angesichts des Krieges »unumgänglich«, auch wenn sich der DAAD dessen bewusst sei, dass dieser Schritt »auch Ungerechtigkeiten« schaffe und zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treffe, die sich für friedliche Beziehungen einsetzen würden, hieß es weiter in der Erklärung.

Der DAAD fördert nach eigenen Angaben aktuell rund 750 Projekte zwischen deutschen Hochschulen und russischen Partnerorganisationen. Zuletzt hatte der Dienst an deutsche Wissenschaftler und Studierende jährlich rund 160 Stipendien nach Russland vergeben.

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Tausende ausländische Studierende in Ukraine gestrandet

Der DAAD hatte sich bereits am Donnerstag »entsetzt« gezeigt über den Angriff Russlands auf die Ukraine. »Zur Solidarität mit der Ukraine gehört es, die außenwissenschaftspolitischen Beziehungen nicht abreißen zu lassen und die Austauschbeziehungen auch unter widrigen Bedingungen zu erhalten«, sagte Mukherjee. Wegen der sich zuspitzenden Lage hatten deutsche Lektoren, die mit Förderung der DAAD in der Ukraine gearbeitet haben, das Land bereits in den vergangenen Tagen verlassen.

Der DAAD ging zudem davon aus, dass Austauschstudierende ebenfalls zurückgekehrt seien. Wegen der Pandemie habe der Austausch ohnehin weitestgehend online stattgefunden.

Aus anderen Ländern sollen sich aber noch Tausende ausländische Studierende in der Ukraine aufhalten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Insgesamt gibt es demnach fast 76.000 ausländische Studierende. Nach offiziellen Schätzungen stellten indische Studierende mit etwa 18.000 die größte Gruppe, hauptsächlich in medizinischen Studiengängen. Auch Tausende afrikanische Studierende sollen in der Ukraine gestrandet sein.

sun/Reuters/dpa