Entscheidung im Eilverfahren Unterrichtsbesuch für sächsische Grundschüler ab sofort freiwillig

Von diesem Montag an sollten alle Grundschüler in Sachsen wieder in die Schule gehen - eine bundesweite Ausnahme, die auf Kritik stieß. Eltern klagten dagegen und setzten sich vor Gericht durch. Mit weitreichenden Folgen.
Wahlweise in der Schule oder zu Hause: In Sachsen dürfen die Eltern entscheiden, wo ihr Kind der Schulpflicht nachkommt

Wahlweise in der Schule oder zu Hause: In Sachsen dürfen die Eltern entscheiden, wo ihr Kind der Schulpflicht nachkommt

Foto: Daniel Karmann/ dpa

Ob ihre Kinder nach einer zweimonatigen Corona-Zwangspause an diesem Montag wieder zur Schule gehen sollen oder nicht, dürfen in Sachsen die Eltern entscheiden. Das Kultusministerium setzte die Schulbesuchspflicht für Grundschüler der Klassen eins bis vier nach einer Gerichtsentscheidung kurzfristig aus.

Es bestehe zwar weiter eine Schulpflicht, Eltern könnten aber selbst entscheiden, ob ihre Kinder in der Schule oder zu Hause lernen, teilte das Ministerium zwei Tage vor der Wiedereröffnung der Schulen mit. Die Behörde reagierte damit auf eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Leipzig vom Freitag.

Das Gericht hatte im Eilverfahren zugunsten der Eltern eines Siebenjährigen entschieden. Die hatten sich gegen die Öffnung der Grundschulen gewandt und argumentiert, dass dort der Mindestabstand von 1,50 Meter nicht eingehalten werden könne.

Sachsen hatte sich im Vergleich zu anderen Bundesländern bei der Wiedereröffnung der Schulen für einen Sonderweg entschieden. Während alle anderen Bildungsminister darauf setzen, die Schülerinnen und Schüler noch vor den Sommerferien in einer Art Schichtsystem in kleinen Gruppen in die Schulen zu holen, sollte es in Sachsen lockerer zugehen, zumindest an den Grundschulen.

Strikte Trennung statt Abstandsregeln

Die Grundschülerinnen und Grundschüler dürfen von diesem Montag an in ihren gewohnten Klassenverbänden zurück an die Schulen . "Wir können von den Vorgaben, Abstand zu halten und Kleingruppen zu bilden, abrücken, wenn wir die Klassen und Gruppen strikt trennen", so die Begründung von Kultusminister Christian Piwarz. Das Konzept sei gemeinsam mit Infektiologen und Kinderärzten der Kliniken in Dresden und Leipzig entwickelt worden.

Die Regeln zum Abstand zwischen den Gruppen müssten jedoch eingehalten werden, betonte Piwarz. "Ein Zusammentreffen von Kindern unterschiedlicher Gruppen und Klassen muss sowohl in den Gebäuden als auch auf den Freiflächen strikt vermieden werden."

Lehrer- und Elternverbände sehen das Konzept allerdings äußerst kritisch. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte bei "News4teachers" davor,  eine andere Strategie als alle anderen Bundesländer zu fahren. Die Linke im Landtag sprach dem Bericht zufolge von einer "gefährlichen Illusion". Speiseräume, Toiletten und die Schulhöfe seien eben nicht strikt für einzelne ‎Klassengruppen zu trennen‎.

Die Jahrgänge ab Stufe 5 werden in kleineren Gruppen tageweise wieder unterrichtet. Lediglich für die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 4 bis 9 in den Schulen mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung gibt es bis einschließlich 1. Juni keinen Unterricht. Wann und wie Schulen und Kitas in den Bundesländern wieder öffnen, lesen Sie hier in einer Übersicht.

Der Beschluss, wonach der Unterrichtsbesuch nun freiwillig erfolgt, gilt in Sachsen erst einmal bis zum 5. Juni. Er betrifft Grundschulen sowie den Primarbereich der Förderschulen. Das Ministerium will den Beschluss des Verwaltungsgerichts Leipzig vor dem Oberverwaltungsgericht in Bautzen anfechten.

fok/dpa