Nach den Sommerferien Sachsen plant wieder mit regulärem Schulunterricht

In der Debatte über eine schnellere Öffnung von Schulen geht Sachsen weiter voran. Ministerpräsident Michael Kretschmer hat nun deutlich gemacht, wie das kommende Schuljahr ablaufen soll.
Sachsen bleibt bei seinem Sonderweg: Nach den Sommerferien sollen alle Schulen wieder zum Normalbetrieb zurückkehren (Symbolbild)

Sachsen bleibt bei seinem Sonderweg: Nach den Sommerferien sollen alle Schulen wieder zum Normalbetrieb zurückkehren (Symbolbild)

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

In Sachsen soll nach dem Willen von Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) an allen Schulen ab dem kommenden Schuljahr wieder regulärer Unterricht stattfinden. Ein Sprecher der Landesregierung bestätigte dem SPIEGEL entsprechende Absichten. Zuvor hatte der "Focus" darüber berichtet. "Wir wollen, dass nach den Sommerferien der Unterricht auch an allen weiterführenden Schulen wieder normal läuft", wird Kretschmer darin zitiert.

Die Landesregierung arbeite an einer Lösung, um den Notbetrieb einzustellen und zu einem normalen Alltag zurückzukehren. Konkrete Überlegungen wollte Kretschmer dem Bericht zufolge noch nicht nennen. Der CDU-Politiker sagte demnach, Kitas und Schulen nähmen eine doppelte Schlüsselrolle ein und seien entscheidend, damit die Wirtschaft wieder anlaufe.

"Zum einen wollen und müssen Kinder lernen", sagte Kretschmer dem Magazin. "Zum anderen können Eltern nur dann wieder ihrer Arbeit mit vollem Eifer nachgehen, wenn sie sicher sein können, dass ihre Kinder gut betreut werden." Er wisse aus eigener Erfahrung, dass "Homeoffice und Kinder über längere Zeit nicht machbar" seien.

Die Entscheidung fällt in eine hitzige Debatte über die Frage, wie schnell Kitas und Schulen in Deutschland wieder geöffnet werden sollen. Vier Medizinerverbände hatten trotz Corona-Pandemie eine umgehende, uneingeschränkte Öffnung verlangt, weil die Ansteckungsgefahr durch Kinder gering sei. Die Forderung stößt auf Skepsis, bei vielen Eltern, Politikern und Fachleuten aber auch auf breite Zustimmung.

Sachsen nimmt Sonderrolle ein

Sachsen hatte sich in der Frage der Schul- und Kitaöffnungen zuletzt für einen Sonderweg entschieden. Während in allen anderen Bundesländern an Kitas und Schulen nur eine Notbetreuung läuft und Unterricht nur in stark reduziertem Umfang unter strikten Abstandsvorschriften für einen Teil der Kinder stattfindet, gelten in Sachsen deutlich freizügigere Regeln.

Seit einigen Tagen dürfen dort alle Kinder wieder ihre Kindertagesstätten und Grundschulen besuchen. Weil die Landesregierung die Einhaltung von Abstandsregeln bei Kindern bis zum Alter von etwa zehn Jahren für unrealistisch hält, müssen Mädchen und Jungen in festen Gruppen betreut werden. Das soll das Risiko einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus eindämmen und dafür sorgen, dass sich im Falle einer Ansteckung die Infektionskette gut zurückverfolgen lässt.

An den weiterführenden Schulen läuft der Unterricht bisher nur in stark eingeschränktem Umfang in kleinen Lerngruppen. Die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler lernt zumindest teilweise zu Hause.

Weil Eltern eines Siebenjährigen aus Sorge vor einer Infektion vor Gericht erfolgreich gegen den Schulbesuch geklagt hatten, hob das sächsische Kultusministerium die Schulbesuchspflicht für Grundschüler auf. Eltern können nun entscheiden, ob ihre Kinder in der Schule lernen oder zu Hause.

Mehr als 95 Prozent hätten sich in den vergangenen Tagen für den Unterricht in der Schule entschieden, sagte der Regierungssprecher dem SPIEGEL. Die Erfahrungen an den Grundschulen sollten nun ausgewertet werden, um sie für Lösungen an den weiterführenden Schulen zu nutzen.

fok/AFP/Reuters