Gedenken an ermordeten Lehrer Schweigeminute an Schulen für Samuel Paty

Trauer, Solidarität, Entschlossenheit: Das sollte die Schweigeminute für den von einem mutmaßlichen Islamisten ermordeten Lehrer ausdrücken. Allein in Frankreich nahmen rund zwölf Millionen Schülerinnen und Schüler teil.
Gedenkminute für Samuel Paty mit dem französischen Premierminister Jean Castex (2.v.l.) und Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer (2.v.r.)

Gedenkminute für Samuel Paty mit dem französischen Premierminister Jean Castex (2.v.l.) und Erziehungsminister Jean-Michel Blanquer (2.v.r.)

Foto: THOMAS COEX / AFP

Mit einer Schweigeminute haben rund zwölf Millionen Schülerinnen und Schüler in Frankreich, aber auch in anderen Ländern, des brutal ermordeten Lehrers Samuel Paty gedacht. Ab Montagvormittag um elf Uhr wurde an den französischen Schulen an den Lehrer erinnert. In Deutschland fand die Gedenkminute um 11.15 Uhr statt.

Premierminister Jean Castex und Bildungsminister Jean-Michel Blanquer besuchten eine Grundschule in Conflans-Sainte-Honorine. In dem Pariser Vorort hatte Paty an einer anderen Schule gelehrt. Sie sangen mit den Kindern unter anderem die Marseillaise, Frankreichs Nationalhymne. Trotz strenger Ausgangsbeschränkungen im Kampf gegen das Coronavirus hat in Frankreich an diesem Montag die Schule wieder begonnen.

Auch in Deutschland hatten die Kultusminister in ihren Ländern zur Teilnahme an der Gedenkminute aufgerufen. Es gehe darum, "mit diesem Gedenken ein gemeinsames starkes Zeichen für Mitgefühl, Solidarität und unsere freiheitlich-demokratischen Werte zu setzen", sagte etwa Sachsen-Anhalts Bildungsminister Marco Tullner (CDU).

Schulen als "Orte der Aufklärung"

Sein Amtskollege Helmut Holter (Linke) in Thüringen sagte: "Mit dem Gedenken an Samuel Paty setzen wir auch ein Zeichen, dass unsere Schulen Orte der Aufklärung, des friedlichen Miteinanders und der Meinungsfreiheit sind und solche Orte – auch angesichts möglicher Einschüchterungsversuche und verbaler Gewalt gegen Lehrkräfte – bleiben müssen."

Paty war Mitte Oktober am Freitag vor den Herbstferien den Ermittlern zufolge von einem 18-Jährigen getötet worden, weil er in einer Unterrichtsstunde zur Meinungsfreiheit Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Seine Leiche war enthauptet aufgefunden worden. Die Tat hatte in Frankreich riesiges Entsetzen ausgelöst, die Ermittler gehen von einem Terrorakt aus. Keine zwei Wochen später starben bei einer Messerattacke in einer Kirche drei Menschen in Nizza, auch hier geht die Staatsanwaltschaft von einem islamistischen Anschlag aus.

Die französische Regierung hat daher den Schutz von Schulen und Gotteshäusern verstärkt. Dazu werden auch Soldaten der inländischen Antiterrormission "Sentinelle" eingesetzt. Es gebe zwar keine gezielte Bedrohung gegen Schulen, sagte Innenminister Gérald Darmanin dem Sender BFM TV. Aber es gebe eine allgemeine terroristische Bedrohung. "Wir hatten drei Terroranschläge in einem Monat, es war eine Abfolge, die wir seit 2015 nicht mehr erlebt haben", sagte Darmanin.

Präsident Emmanuel Macron wandte sich zu Schulbeginn in den sozialen Netzwerken an die Schülerinnen und Schüler. "Wir sind alle schockiert über das, was passiert ist. Sprecht untereinander darüber. Sprecht mit euren Lehrern darüber", schrieb er unter anderem bei Facebook. Franzose in der Schule der Republik zu sein bedeute, zu lernen, frei zu sein und sich zu entfalten. "Wir sind in Frankreich! Wir werden zusammenhalten."

him/dpa
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